Die Bedeutung von Normen und Zertifizierungen für den Mittelstand

Das Haus der Normung - Sitz des Deutschen Institutes für Normung am DIN-Platz in Berlin-Tiergarten / © Thomas Voßbeck 2022, Illing & Vossbeck Fotografie
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Im Gespräch mit Prof. Dr. Rolf Koerber, Dr. Hartmut H. Meyer (beide Dozenten der Akademie für den Mittelstand in Dresden) und Hans-Josef Helf (Direktor der Akademie für den Mittelstand)

Welche Bedeutung hat das DIN heute in der Zertifi­zie­rung?
Prof. Rolf Koerber:
Das Deutsche Institut für Normung, kurz DIN, ist ein Gremium, in dem gültige Normen für Deutschland erstellt werden. Diese Normen werden häufig in EU-Normen (EN) oder Internationale (ISO) Normen überführt und umgekehrt. Damit spielt das DIN eine zentrale Rolle, wenn es um normative Festsetzungen unterhalb der gesetzlichen Ebene geht.

Was bedeutet eine Zertifizierung auf der Grundlage von Normen?
Prof. Rolf Koerber:
Wenn Zertifikate auf der Grundlage von DIN, EN oder ISO-Normen erteilt werden, dann belegt das, dass die Zertifizierung der aktuellen wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Norm entspricht. Diese Zertifi­zie­rungen haben einen Stellenwert, der über den einer Einzel­zertifizierung – beispielsweise durch ein einzelnes Un­ter­­neh­men oder eine einzelne Einrichtung – deutlich hinausgeht. Eine solche Zertifizierung – die bekannteste ist sicher die ISO 9001 – bewegt sich auf der nationalen oder internationalen Ebene.

Normen und Zertifizierungen im Bildungsbereich – welchen Nutzen können sie haben?
Prof. Rolf Koerber:
Der Bildungsbereich war lange geprägt durch die staatlichen Festlegungen. Für den öffentlichen Bil­dungs­sek­tor gilt das bis heute, jedoch mit Bestrebungen zur Quali­tätssicherung. Für die private Bildungs- und Beratungs­bran­che ist es sehr nützlich, wenn es übergreifende Normen gibt, an denen sich Anbieter und Kunden orientieren können. Die DIN 33459 ist eine solche Norm, die speziell für den Bildungs- und Beratungssektor geschaffen wurde. Die Norm be­ruht auf einer gesicherten Forschungsgrundlage, so dass Anbieter, die ihr folgen, sicher sein können, ihre Dienst­leis­tun­gen auf einem sehr hohen Niveau und mit nachhaltiger Wirkung anzubieten.

Warum gibt es für die DIN 33459 keine entsprechende ISO-Norm?
Prof. Rolf Koerber:
Das ist einerseits eine Frage der Zeit, weil es lange dauert eine solche Norm auf internationaler Ebene zu vereinbaren. Andererseits haben wir es international mit sehr unterschiedlichen Bildungs- und Zertifizierungssystemen zu tun, so dass die Frage ist, ob eine internationale Norm überhaupt erreicht werden kann. Meine Vermutung ist, dass eine solche Norm dann sehr abstrakt werden würde, daher sind wir in der Akademie für den Mittelstand mit der DIN 33459 sehr zufrieden.

Warum ist für den Mittelstand eine zertifizierte Aus­bildung für KMU-Berater von großer Bedeutung?
Dr. Hartmut H. Meyer:
Der Bundesverband „Die KMU-Berater e.V.” hat es sich auch gemeinsam mit der Akademie für den Mittelstand zur Aufgabe gemacht, auf Grundlage von Qua­li­täts­­stan­dards die Professionalität von Unternehmens­be­ratern zu steigern. Die Berufsbezeichnung des Unternehmens­beraters ist in Deutschland nicht geschützt und somit hat dieser Markt keine Eintrittsbarrieren. Unternehmer benötigen hier klare und ver­lässliche Standards in der Auswahl von Beratern. Dazu bietet die DIN 33459 eine Grundlage.

links: Prof. Dr. Rolf Koerber – Erziehungswissenschaftler, Führungskräftetrainer und Exe­cu­tive-Coach (IOBC), Mitglied des DIN Normen­ausschuss „Bildungsdienstleistungen“. Er ist Professor an der TU Dres­den und Direktor des IBE-Institut für Begabung und Ent­wicklung (www.ibe-dresden.de) / mitte: Dr. Hartmut Heinrich Meyer – Unternehmensberater und Inhaber Contor21, Vorstands­mit­glied Bundesverband Die KMU-Berater, Board Direc­tors International Council of Small Business (ICSB), Do­zent an der FOM, Mitglied an der FOM im Kompetenz­zentrum Entrepreneurship / rechts: Hans-Josef Helf – Direktor und Dozent der Akademie für den Mittelstand. Er ist zertifizierter Rhetorik Trainer, Mediator (University of applied science) Speaker und Coach, für den Mittelstand kompetenter Berater und Ansprechpartner für Unter­nehmer (www.akademiefuerdenmittelstand.com) / © Fotos: © Arttrium, Dresden; CF – FOTOGRAFIE

Was ist das Kerngeschäft eines Unternehmensberaters?
Dr. Hartmut H. Meyer:
Wandel und Problemlösungen in Un­ter­nehmen zu entwickeln und deren Umsetzung zu begleiten. Dies bedeutet, dass der Berater neben einem Fachwissen eine Reihe von weiteren Kompetenzen entwickeln sollte, um die notwendigen Schritte zur Steigerung der Wettbe­werbs­fähigkeit von KMU zu begleiten. Diese Kompetenzen können verlässlich nur nachgewiesen werden durch eine zertifizierte Ausbildung in der Akademie für den Mittelstand. Das Prädikat eines zertifizierten KMU-Beraters auf der Basis der DIN 33459 wird den Unter­neh­men und den öffentlichen Stellen zur Förderung von Unter­neh­mensberatungen erlauben, die Fähigkeit des Beraters für einen erfolgreichen Wissenstransfer überzeugend darzulegen.

Wie sehen Sie die Bedeutung einer solchen zertifizierten Ausbildung in der Zukunft?
Dr. Hartmut H. Meyer:
Sie wird auch durch den Einsatz einer künstlichen Intelligenz zunehmen. Bereits die ersten Anläufe von ChatGPT und deren angekündigten Entwicklungen zeigen, dass es leicht möglich sein wird, Wissen zu bestimmten Sach­verhalten zu präsentieren. Es wird für den Unternehmer im­mer schwieriger werden zu beurteilen, ob ein potenzieller Unterneh­mens­­berater wirklich die notwendigen Kompe­ten­zen zur Umsetzung des Wissens und zur individuellen Pro­blem­lösung hat. Die Wahrscheinlichkeit des Beleges dieser Kom­pe­tenzen kann nur gesteigert werden durch den Nachweis einer entsprechenden Ausbildung. Somit wird in Zukunft die Be­deu­tung einer zertifizierten Ausbildung für Unterneh­mens­­berater weiter zunehmen.

Herr Helf, als Direktor und Dozent der Akademie für den Mittelstand, wie ist Ihre Meinung zum Thema Zertifizierung?
Hans-Josef Helf: Für die Akademie spielt dieses Thema schon seit langer Zeit eine gravierende Rolle. Aus dem Bedürfnis der Unternehmer nach einer Sicherheit für die Auswahl von Be­ra­tern ist die DIN 33459 entstanden. Wir sind als zertifizierte Akademie so aufgestellt, das wir alle zutreffenden Ausbil­dun­gen auf dieser Basis durchführen.

Dies sichert allen Partnern ein Bildungsangebot zu, welches 1:1 den Anforderungen des Marktes entspricht und damit auf die wirklichen Bildungsbedarfe reagiert. Berater müssen für den Mittelstand ein zuverlässiger Partner sein. Dazu tragen wir mit unserer Ausbildung für die Berater in der Akademie bei.

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