Eine Schenkung in zwei Häusern

Joseph Beuys, Objekt zum Schmieren und Drehen, 1972, Slider, VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Herbert Boswank
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In der Ausstellung „Weltenwanderer“ setzen gleich zwei ostsächsische Museen die Sammlung Hoffmann in Szene.

Sie ist eine der spektakulärsten Privatsammlungen Deutsch­lands. Die Sammlung vereint rund 1.200 Werke künstlerischer Positionen und Strömungen von den 1910er Jahren bis in die Gegenwart aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Zeich­nung, Skulptur, Installation, Film- und Videokunst. Bis in die 1960er Jahre reichen die Anfänge der Sammlung Hoffmann zurück. Damals begannen Rolf und Erika Hoffmann – beeindruckt von Besuchen der documenta sowie rheinischer Kunst­ausstellungen – damit, eine private Sammlung aufzubauen. Dabei ging es dem Ehepaar nicht nur um das reine Sam­meln. Vielmehr war der Wunsch entscheidend, auch mit den Künst­lern in den Austausch zu treten. Die künstlerische Vielfalt der Exponate weist dabei auf ihr Verständnis von Kunst nicht nur als Spiegel, sondern auch als Kommentator gesellschaftsrelevanter Fragen hin. 17 Jahre nach dem Tode ihres Mannes entschied sich Erika Hoffmann 2018 dazu, die Sammlung den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zu schenken. Seitdem werden die Exponate in verschiedenen Konstellationen gezeigt.

Morris, Sarah: SRHMRRS; Gemälde, 257 x 198 x 5 cm, SKD Sammlung Hoffmann / Foto: Herbert Boswank

Sammlung ohne festen Wohnsitz
„Innerhalb der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sind wir eine Sammlung ohne festen Wohnsitz“, sagt Dr. Dorothée Brill, die Leiterin der Schenkung Sammlung Hoffmann. „Wir wollen in Bewegung bleiben und die Schenkung immer wieder in Zwie­ge­spräche mit anderen Werken und Kontexten bringen.“ Ganz in diesem Sinne ist auch die neue Ausstellung „Welten­wanderer“ zu begreifen. In Kooperation mit den Staat­lichen Kunst­samm­lungen Dresden präsentieren das Kulturhistorische Museum Görlitz und die Städtischen Museen Zittau Werke aus der Schenkung. Der Kauf eines Tickets berechtigt dabei zum Besuch beider Aus­stel­lungsteile in Görlitz und Zittau.

Fokus Osteuropa
Die Görlitzer Ausstellung fokussiert auf Künstler, deren Bio­grafien durch Migrationserfahrungen zwischen Ost und West geprägt wurden. So werden neben Arbeiten von Marina Abra­mović, Sigmar Polke, Gerhard Richter und Andy Warhol auch Werke bedeutender Künstler aus Russland und Polen gezeigt. In der Zittauer Schau wiederum treten die Exponate mit der Sam­mlungspräsentation im gesamten Haus in einen epochen­übergreifenden Dialog. Die 30 Werke aus der Schenkung Samm­lung Hoffmann werden auch mit der Architektur des Hauses verflochten. Die Ausstellungstexte werden in deutscher, polnischer und tschechischer Sprache zu lesen sein. Damit ist die Ausstellung „Weltenwanderer“ ein Projekt, das auch Erika Hoff­mann gefallen dürfte. Immerhin hat sich ihre Sammlungs­tätig­keit in den letzten Jahren stark auf Osteuropa fokussiert.

Weltenwanderer
März 2022 – 12. Juni 2022
Kulturhistorisches Museum Görlitz / Städtische Museen Zittau

Redaktion: Philipp Demankowski

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