Marianna V. Vardinoyannis: UNESCO-Botschafterin des guten Willens

Marianna und Vardis Vardinoyannis / © studio kominis
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Top Magazin Dresden flog nach Athen, um mehr über Marianna V. Vardinoyannis, eine außergewöhnliche Charity-Lady, zu erfahren.

Waren einst die griechischen Reederfamilien Onassis und Niarchos rund um den Globus tonangebend, so ist es heute die Familie Vardinoyannis. Im Schiffsbau, Ölgeschäften und etlichen weiteren Indus­trie­z­weigen ist sie aktiv. Auch Fernsehstationen gehören dazu, was Marianna V. Vardinoyannis für ihre großzügigen Zwecke sehr gelegen kommt. Zwischen ihren Residenzen in Athen und London pendelt die Gattin von Vardis Vardino­yannis hin und her. Immer wieder begleitet sie ihren Mann auf wichtigen Geschäftsreisen rund um die Welt. Stets perfekt elegant gestylt, kleidet sich Marianna in den Pariser und internationalen Haute-Couture-Häusern ein. Sie ist mit den Kennedys oder auch mit Königin Rania von Jordanien eng befreundet, unterstützt das Robert F. Kennedy Human Rights Center und verteidigt die Frauenrechte, die Königin Rania so am Herzen liegen. Für die Jordan River Foun­dation organisierten beide Ausstellungen mit Jordaniens Künstlern in Athen und bei der UNESCO in Paris.

Marianna V. Vardinoyannis wur­de 1999 von der UNESCO mit dem Goodwill Am­bassador­titel ausgezeichnet. Für die Organisation der Ver­einten Natio­nen für Bildung, Wissen­schaft, Kultur und Kom­mu­ni­kation veranstaltete sie internationale Kon­ferenzen, Kultur­friedens­pro­gramme, wie „Culture of Peace”, „Bethle­hem 2000” oder auch „Welcoming Cities for the Refugees” (Städte, die Flücht­­linge willkommen heißen.)

Dem Kinostar Melina Mercouri, die sich auch als griechische Kul­tur­minis­terin für die Zukunft ihres Landes einsetzte, etliche Kunst­gü­ter nach Griechenland zurückholte und die neoklassische Alt­stadt Pla­ka rund um die Akropolis rettete, stand Marianna V. Vardi­no­yannis stets als gute Freundin zur Seite. Film- und Theater­star Irene Papas oder auch die internationale Sängerin Nana Mouskouri gehören zu ihrem engsten Freun­deskreis. Bei privaten Kreuzfahrten durch die blaue Ägäis war u.a. der französische Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing mit Ehefrau zu Gast. In Frankreich, anlässlich der Charitygalas A.V.E.C. zugunsten der Krebsforschung, unterstützte Marianna V. Var­dino­­yan­nis auf Schloss Versailles Pro­fes­sor David Khayat und Lord Michael Anders-Cavendish. Der berühmte zeitgenössische griechische Maler Alekos Fassianos blieb bei den Vardino­yannis 1970 einige Monate, um sein Meis­terwerk „Phaeton and the Chariot of the Sun” zu beenden. Selbst im Cavendish-Roman „Etoile, Stern der Liebe” ist Marianna V. Vardi­no­yannis für die Griechin Etoile das große Vorbild zur Hilfe Bedürftiger.

Marianna V. Vardinoyannis mit dem ehemaligen französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d’Estaing / panoulis dimitris – © Vardinoyannis

Top Magazin Dresden flog nach Athen, um mehr über die Dame mit dem großzügigen Herzen zu erfahren.

Madame Vardinoyannis, es ist uns eine Ehre, Sie interviewen zu dürfen. Würden Sie unseren Lesern verraten, wo Sie geboren wurden und wie Ihre Kindheit aussah?
Ich kam auf dem Peloponnes im kleinen Städtchen Ermioni zur Welt. Meine Eltern erzogen mich mit unendlicher Liebe und brachten mir schon früh bei, dass alles, was Gott uns großzügig schenkt, wir mit den in Not geratenen Menschen teilen sollten.

Wo gingen Sie zur Schule und wo studierten Sie?
Meine Mutter verteidigte das Prinzip, dass eine gute Er­ziehung sowie eine gründliche Ausbildung das beste Gut sind, was Eltern ihren Kindern mit auf den Weg für ihr späteres Leben geben können. Somit besuchte ich in Ermioni die Grund­schule, wurde dann zu Verwandten zum Studium nach Athen geschickt. Mein geliebtes Ermioni, meine Familie und Freun­din­nen zu verlassen, brach mir das Herz. Von Athen aus ging es für das weitere Studium nach Amerika, wo ich den Abschluss für Kunst­ge­schichte, Archäologie und Wirtschaftskunde erfolgreich be­stand. Heute bin ich meinen Eltern für alles sehr dankbar.

Wo und anlässlich welcher Gelegenheit trafen Sie Vardis Vardinoyannis, Ihren zukünftigen Mann?
Ich war noch eine junge Studentin, als ich Vardis bei meinen Verwandten das erste Mal begegnete. Er war damals bereits ein stattlicher, blendend aussehender Marineoffizier. Für uns beide war es Liebe auf den ers­ten Blick. Jedoch erlaubten uns unsere Eltern erst einige Jahre später zu heiraten. Die Trauung fand dann in der größten und schönsten orthodoxen Kirche in Athen statt. Es war eine Mär­chen­hochzeit mit hunderten von Gäs­ten aus aller Welt. Poli­ti­ker, Dip­lo­ma­ten, Generäle so­wie die Obers­ten der Navy waren zugegen. Das war kein Wun­­der, da Vardis’ Bru­der im griechischen Parla­ment saß und als Minister an der Seite des Staatsministers sein Amt ausübte.

Marianna V. Vardinoyannis mit Lord Michael Anders-Cavendish / Fotos: © Cyril Bailleul

Wieviele Kinder haben Vardis und Sie?
Schon als kleines Mädchen träum­te ich von einer großen Fa­mi­lie. Wir haben fünf erwachsene Kin­der, dreizehn En­kel­kinder und zwei Ur­en­kel. Unsere Söhne leiten heute unsere verschiedenen Industriezweige. Wir alle halten wie Pech und Schwefel zusammen. Jeden Morgen rufe ich meine Kinder an, um mich zu vergewissern, dass alles in Ord­nung ist. Sobald die Ferien beginnen, treffen wir uns in unserem privaten Ferien­resort „Marianna Bay”, gegenüber der In­seln Hydra und Spetses, wo ich mit etlichen Bungalows Platz für die Groß­familie schuf. Unsere Yacht ankert vor unserem Resort. Es gibt auch einen feinen, weitläufigen Sandstrand. Mein geliebtes Ermioni liegt gleich um die Ecke.

Wann hatten Sie den Entschluss gefasst, Ihre Stiftung „Elpida” („Hoffnung”) zu gründen?
1990 gründete ich mit Hilfe meines Mannes „Elpida”. Damals gab es für Kinder in Griechenland noch kein Transplant für Knochenmark-Krebs. Wer das nötige Geld besaß, musste zu der Zeit in die USA fliegen, um sich für 500.000 Dollar in Behandlung zu begeben. Dieser Zustand war unhaltbar. Mit Hil­fe guter Freundinnen gründete ich 1992 das „Paediatric Bone Marrow Transplant Unit” („Kinderknochenmark transplant”) in Griechenland. Ich war der Meinung, dass Kinder bessere Chan­cen zur Heilung hätten, wenn ihre Eltern zugegen wären. Also ließ ich 1999 unser großes Elpidagästehaus bauen, wo Eltern, denen die finanziellen Mittel für eine Bleibe in Athen fehlen, kostenfrei in der Nähe ihrer kranken Kinder wohnen können. Inerhalb 23 Jahren konnten wir so 2200 Familien beherbergen. 2010 errichteten wir den großen „Marianna V. Vardinoyannis Kinderkrebskrankenhauskomplex” mitten in Athen. Dort werden bedürftige an Krebs erkrankte Kinder aus Griechenland, den Mittelmeergebieten und dem Balkan kostenfrei behandelt. Heute zählt unser Krankenhauskomplex auf 14.911 Quadrat­metern mit 138 Betten zu den besten Kliniken Europas. 2020 schufen wir für Kinder und Teenager ein Zentrum für Zell- und Gentherapie.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
Ein ganz wichtiger Aspekt ist der Austausch mit den weltweit wichtigsten onkologischen Krankenhäusern und Zentren. Ich möchte mit dem „Health Diplomacy Program” (diplomatisches Gesundheitsprogramm) einen medizinischen Fortschritt­austausch über Grenzen hinweg schaffen und in die Forschung eines Zell- und Gentherapiezentrums investieren.

Text und Interview: Michel Anders-Cavendish

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