Skulpturen aus der Tiefe

Foto: Falk Wieland
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Es ist ein ganz außergewöhnliches Projekt, das Thomas Reimann gemeinsam mit dem Tauchverein ,,Druckausgleich” aus der Taufe gehoben hat. Vor zehn Jahren begann der Dresdner Bildhauer und Designer im Steinbruchsee Miltitz in der Nähe der Lausitzer Dörfer Miltitz, Nebelschütz und Räckelwitz Kunstwerke zu versenken. Nun sind einige der versenkten Kunstwerke wieder an die Oberfläche gehoben worden und im Rahmen der Kunstmesse NEUE ArT im Januar zu bestaunen!

Ob Skulpturen, Plastiken oder in Glas eingegossene Bücher – über einen Zeitraum von zehn Jahren sind immer mehr neue Objekt hinzugekommen, die der Künstler Thomas Reimann dem Steinbruchsee in Miltitz anvertraut hat. Nicht nur seine eigenen Werke wurden hier versenkt. Auch andere Künstler kennen keine Skrupel vor dem eigenen Oeuvre. Schließlich wurde schon vor einigen Jahren direkt am Ufer des Sees ein Bildhauer-Workshop etabliert, der alljährlich im September Künstler aus ganz Europa an den Steinbruchsee lockt. Es sind vor allem jene aus dem Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien, die hier Seite an Seite arbeiten. Nun sind einige der versenkten Kunstwerke wieder für unseren Alltag geborgen. Im Rahmen der Kunstmesse NEUE ArT, die im Januar parallel zur Room & Style in der Messe Dresden stattfindet, gestaltet Thomas Reimann einen separaten Bereich, in dem er ausgewählte Objekte präsentiert. Man kann sich gut vorstellen, dass die Werke nach Jahren unter Wasser von einer einzigartigen Patina umgeben wird. Das Top Magazin Dresden traf den sympathischen Künstler in seiner lauschigen kleinen Ateliergalerie am Weißen Hirsch.

Foto: Felix Posselt

Wie ist die Ausstellung unter Wasser aufgebaut?

Der See hat durch seine Lage am Granitberg Krabatstein eine natürliche Terrassierung entwickelt. Auf der untersten Stufe in 27 Meter Tiefe stehen dabei immer die ältesten Objekte. Wenn neue Exponate dazukommen, werden die älteren jeweils eine Stufe nach unten versetzt.

Was für ein Panorama eröffnet sich dem Besucher der Ausstellung unter Wasser? Sind Sie selbst schon einmal ge taucht?

Man kann auch als Besucher die Objekte begutachten. Die ansässige Tauchschule „Druckausgleich“ bietet begleitete Tauchgänge an, die auch ohne Tauchschein absolviert werden können. Unter Wasser kann man sich natürlich am besten einen Eindruck davon verschaffen, wie die Natur arbeitet. Da schwimmen kleine Fische um die Objekte herum. Sogar ein 1,60 m großer Wels wurde schon im Steinbruchsee gesichtet. Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, auch einmal selbst die Seegründe zu erforschen. Wenn man am Seeboden ist, dann sieht man aufgrund der fehlenden Sonneneinstrahlung erst einmal kaum etwas. Taucht man aber nach oben gegen das Licht, eröffnet sich dem Taucher ein nicht nur einzigartiges, sondern auch wunderschönes Bild. Plötzlich entsteht eine
ganz andere Welt.

Was passiert mit den Werken in der Tiefe?

Die Objekte reagieren natürlich mit dem Wasser, manche werden auch zerstört. Bei einem in Glas eingelassenen Buch hat bei der Bergung leider der Klebstoff nicht gehalten, so dass das Buch jetzt nicht mehr lesbar ist. Ich finde aber, dass dadurch auch schon wieder eine besondere Ästhetik entstanden ist. Bei anderen Objekten haben sich bis auf übriggebliebene Farbreste sogar eingebrannte Farben gelöst. Dann hat natürlich auch die Pflanzenwelt von den Werken Besitz ergriffen. Bei Skulpturen aus Eisen hat sich dagegen die Oberflächenstruktur komplett verändert.

Foto: Falk Wieland

Warum hat es Sie ausgerechnet an den Steinbruchsee Miltitz gezogen?

Der See liegt in einer wunderschönen Umgebung. Nicht umsonst ist die Gemeinde Nebelschütz 2006 zum schönsten Dorf Sachsens ernannt wurden. Wenn man zum See wandert, wähnt man sich fast in einer anderen Zeit. So urwüchsig ist der Baumbestand um den See mit seinen Birken, Weiden, Kiefern, Hagebutten und Ginstern. Der See selbst hat etwas Verwunschenes. Inzwischen ist er auch von Spaziergängern entdeckt wurden, die vor allem bei der Bildhauerwerkstatt immer zahlreicher vorbeischauen, um den Künstlern über die Schultern zu sehen. Für die Region ist das Projekt natürlich auch sehr attraktiv. Wir können uns zudem sehr glücklich über die Unterstützung von Nebelschütz‘ Bürgermeister Thomas Zschornak schätzen, der gerade für die Bildhauerwerkstatt sehr umtriebig ist. Es ist immer stets eine sehr schöne Atmosphäre auch bei den Bildhauertagen. Zur Vernissage und Finissage kommen immer sehr viele Besucher. Und die Künstler tauschen ihre Erfahrungen aus, was stets eine inspirierende Angelegenheit ist.

Wie sieht die Präsentation der Unterwasserkunst bei der Messe NEUE ArT aus?

Ich bin im regulären Programm mit meinen konventionellen Werken vertreten. Für die Unterwasser-Skulpturen und -Plastiken inszeniere ich dank der Unterstützung der Messe einen eigenen Bereich. Dafür wird es ein spezielles, mit Wasser gefülltes Becken geben, in dem die Exponate präsentiert werden. Zusätzlich zeigen wir mit zwei Videoprojektoren einen Vorher-Nachher-Vergleich der Werke. Damit die Besucher einen Eindruck davon bekommen, was das Wasser mit der Kunst macht. Die anregenden Fotos und Texte in der Ausstellung
„AUF G TAUCHT“ stammen dabei vom Unterwasserfotografen Falk Wieland.

www.tmvo.de

NEUE ArT18 – KunstmesseDresden
5. bis 7. Januar 2018
MESSE DRESDEN
www.neue-art-dresden.de

Interview: Philipp Demankowski

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