Schauspielerin Carina Wiese: Zurück in die Heimat

© ARD/Rudolf Wernicke
0
Ein Gespräch mit der Schauspielerin Carina Wiese über die Arbeit “ in ihrer Heimat bei „WaPo Elbe“ und dem Format „Sam, ein Sachse”.

Carina Wiese muss man eigentlich niemandem mehr vorstellen. Mit einer Filmografie, die weit mehr als 50 Einträge umfasst, dürfte wohl jeder deutsche Zu­schauer die Schauspielerin schon einmal auf der Matt­scheibe oder der Kinoleinwand erblickt haben. In ihren Projekten zeigte sie sich stets sehr wandelbar, spielte im langlebigen RTL-Straßenfeger „Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei“ genauso mit wie in Kino-Prestige­projekten wie Maren Ades „Alle Anderen“ oder Tom Tykwers „Drei“. Zuletzt war sie häufig in großen deutschen, auch überregional erfolgreichen Serienprojekten auf Streaming-Diensten zu sehen, so etwa in „Dark“ (Netflix), in der „Deutschland“-Reihe von Amazon Prime und 2023 in der ersten deutschen Disney+-Serie „Sam, ein Sachse“. Letztere Serie über den ersten schwarzen Polizisten in der DDR spielt nicht nur in Dresden, sondern wurde teilweise auch dort gedreht. Und auch ihr Engagement bei „WaPo Elbe“ führt die in Dresden ge­borene Carina Wiese zu ihren Wur­zeln zurück. Schließ­lich wird die ARD-Vorabend­serie in Pirna gedreht. Grund genug also, die Schau­spie­lerin, die inzwischen in der Uckermark lebt, zum Interview einzuladen und mit ihr über die Arbeit in ihrer Heimat zu sprechen.

Carina Wiese als Hauptkommissarin Maike Junghans in der ARD-Vorabendserie WAPO ELBE / Foto: © ARD/Rudolf Wernicke

Die Dreharbeiten für die zweite Staffel der „WaPo Elbe“ sind Mitte Oktober zu Ende gegangen. Was können Sie uns über die Entwicklung von Hauptkommissarin Maike Junghans verraten?
So ein Vorabend-Format folgt ja anderen Ge­setzen als ein Kinofilm oder ein Spielfilm, der 20.15 Uhr im Fernsehen läuft. Das muss dann ein bisschen ruhiger sein und im Zweifel auch beim Bügeln oder im Pflegeheim nicht stören. Deshalb dürfen die Serien nicht allzu komplex sein. Ich kann aber sagen, dass wir uns bemüht haben, die Figuren mehr atmen zu lassen. Sie sollen sich natürlicher verhalten. Das war in der ersten Staffel noch etwa starr. Auch wollten wir die zwischenmenschlichen Töne etwas verstärken. Schön war, dass wir uns als Schauspieler bei der Charakterentwicklung ein bisschen einbringen durften. Maike Junghans ist ja schon eine etwas merkwürdige Person und nicht unbedingt nur die sympathische Kommissarin von nebenan. Das habe ich versucht, ein bisschen auszubauen. Sie macht Dinge, die die Zuschauer durchaus irritieren.

Dreharbeiten zur ARD-Serie WAPO ELBE in Pirna / Foto: © ARD/Rudolf Wernicke

Die Serie spielt bei uns in der Region. Sie kommen aus Dresden. Ist es etwas Besonderes für Sie, wieder herzukommen? Sie wohnen ja schon lange nicht mehr in Dresden.
Als die Anfrage kam, habe ich sofort gedacht. ‚Ja, ich will in Dresden drehen. Unbedingt`. Als ich dann wieder hier war, war es wirklich überwältigend. Ich habe auf einmal wieder gemerkt, dass ich Sächsin bin, was ich vermisst habe und wie wohl ich mich in der Region fühle. Zudem hatten wir viele Dresdnerinnen im Team. Das ist relativ selten, da Dresden zwar eine große Kultur-, aber nicht unbedingt eine große Filmstadt ist. Und auch die Interaktion ist für mich eine Art Entspannung. Allein das Sächsisch und das noch speziellere Dresdnerische zu hören, verschafft mir ein gutes Gefühl. Hinzu kommt natürlich die wunderschöne Landschaft.

Mit dem Sächsisch haben Sie also auch vor der Kamera kein Problem?
Ganz im Gegenteil. Ich kämpfe sogar immer da­für, dass in Produktionen, die in Sachsen spielen, auch sächsisch gesprochen wird. Ich wollte das auch bei WaPo Elbe durchsetzen, aber im Cast waren eben nicht so viele Schauspieler mit sächsischen Wurzeln. Da klingt es dann oft seltsam, wenn man versucht, den Dialekt zu imitieren. Wobei ich schon versuche, die ostdeutsche Sprachfärbung ein wenig mit einzuflechten. Man hat aber schon etwas Angst, dass es dann in anderen Regionen nicht so gut ankommt. Es war ja für uns alle überraschend, dass die Serie auch in den alten Bundesländern so gut ankommt.

Das WAPO ELBE-Team – v.l.: Moritz Krätschmer (Ferdi Özten), Maike Junghans (Carina Wiese), Sami Fares (Adnan Maral), Jana Macourek (Barbara Prakopenka) / Foto: © ARD/Rudolf Wernicke

Wie erklären Sie sich das?
Ich denke, in erster Linie aufgrund der Land­schaft. Viele Menschen sehen die Elbe in der Region zum Bei­spiel zum ersten Mal. Und dann ist da natürlich die Sächsi­sche Schweiz, die zwar im letzten Jahr ein bisschen in Mode gekommen ist. Aber eher in Berlin, weil es eine gute Zugver­bindung gibt. Menschen aus der Pfalz dagegen kennen das Elbsand­steingebirge wahrscheinlich eher nur in Ausnahme­fällen. Die sind dann ganz überrascht, dass sie grüne Wiesen und nette Menschen sehen, denn irgendwie geistert in vielen Köpfen immer noch das Vorurteil, im Osten wäre alles grau und verfallen und die Leute wären alle ganz schrecklich.

Sie haben nicht nur „WaPo Elbe“, sondern auch das Format „Sam, ein Sachse“ kürzlich in der Region gedreht. Auch die Rolle der Mutter des ersten schwarzen Polizisten in Ost­deutschland hat einen starkem Dresden-Bezug. War das Zufall? Was hat sie an der Rolle gereizt?
Das war schon Schicksal. Eigentlich war ich für die Rolle der Mutter von Sam Meffire zu alt. Doch dann hatte die gewählte Schauspielerin einen positiven Coronatest und musste Hals über Kopf neu besetzt werden. Und da hat man sich bei der UFA, mit der ich auch die Deutschland 83, 86 und 89 gedreht habe, an mich erinnert. Dadurch hatte ich leider kaum Zeit, mich groß vorzubereiten. Ich hätte mich wirklich gern intensiver mit der Mutter beschäftigt, aber der echte Sam Meffire hat dann am Set gesagt, dass ich sie gut getroffen habe. Das war dann mein Ritterschlag.

Was muss eine Rolle generell mitbringen, damit sie für Sie interessant ist?
Sie muss das Potenzial haben, mich zu überraschen. Wenn ich ein Drehbuch lese, will ich mich wundern über das Verhalten der Figuren und nicht immer gleich sofort wissen, was womit gemeint ist. Und natürlich müssen die Charaktere interessant sein. Es gab mit Ende 40 eine Zeit, da habe ich nur Frauen angeboten bekommen, die gerade von ihrem Mann verlassen wurden und unglücklich sind. Da habe ich mich dann öfter mal gegen so eine Rolle entschieden. Jetzt leben wir glücklicherweise in einer Zeit, in der auch andere Geschichten erzählt werden können. Im Moment bekomme ich sehr interessante Frauenfiguren angeboten. Da hat sich viel getan. Übrigens nicht nur bei den Schauspielerinnen. Ich habe in 30 Jahren noch nie eine Tonmeisterin erlebt. Jetzt habe ich schon mit der dritten Tonmeisterin zusammengearbeitet. Auch bei der Regie, der Ka­mera oder der Produktionsleitung gibt es immer mehr Frauen. Und das bildet sich dann auch in den Geschichten ab.

Interview: Philipp Demankowski

Sie interessieren Sich möglichweise auch für: