Masken, Kronen, Macht

Ausstellungsansicht „Masken und Kronen”, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Oliver Killig
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Die neue Dauerausstellung im Dresdner Residenzschloss lässt die glanzvolle Festkultur und die Insze­nierung fürstlicher Macht am sächsischen Hof in prachtvoll restaurierten Sälen wiederaufleben.

Mit der Eröffnung der neuen Dauerausstellung „Masken und Kronen. Festkultur und Machtrepräsentation am Dresdner Hof“ erreichte das Dresdner Residenzschloss einen bedeutenden Meilenstein seiner jüngeren Geschichte. Nach jahrzehntelanger Restaurierung und Rekonstruktion sind die prunkvollen Festsäle im zweiten Obergeschoss nun wieder vollständig zugänglich. Die Ausstellung, die im Beisein hochrangiger Vertreter aus Politik und Kultur feierlich eröffnet wurde, setzt der traditionsreichen Rüstkammer einen glanzvollen Schlusspunkt. Über 450 Exponate, viele davon erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder öffentlich zu sehen, geben einen einzigartigen Einblick in die höfische Festkultur und die Inszenierung fürstlicher Macht am sächsischen Hof.

Historische Räume in ursprünglicher Pracht

Die Festetage im zweiten Obergeschoss des Residenzschlosses präsentiert sich heute als ein eindrucksvolles Ensemble historischer Räume, die in ihrer ursprünglichen Pracht wiedererstanden sind. Besucherinnen und Besucher betreten die Festetage über die traditionsreiche Englische Treppe und tauchen ein in eine Abfolge prachtvoller Säle: Vom Riesensaal mit seinen mo­nu­mentalen Turnierszenen führt der Weg in das wiederhergestellte Audienzzimmer der Königin, weiter in den Kleinen und Großen Ballsaal, das lichtdurchflutete Porzellan­kabinett und schließlich in den holzgetäfelten Propositions­saal. Die sorgfältige Rekonstruktion orientierte sich an der Gestalt des mittleren 19. Jahrhunderts und macht es erstmals seit Generationen möglich, die Repräsentationsräume in ihrer historischen Abfolge zu erleben. Jeder Saal erzählt dabei ein eigenes Kapitel der höfischen Festkultur und spiegelt die wechselvolle Geschichte des sächsischen Hofes wider.

Porzellankabinett im Turmzimmer der Festetage, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Oliver Killig
Glanzvolle Festkultur im Großen Ballsaal

Im Zentrum der Ausstellung steht der Große Ballsaal, der mit seiner opulenten Ausstattung und den spektakulären Ex­po­naten die glanzvolle Festkultur des sächsischen Hofes lebendig werden lässt. Hier entfaltet sich das Panorama höfischer Maskeraden, Festaufzüge und Turniere vom 16. bis zum 18. Jahr­hundert. Besonders ins Auge fällt die berühmte Son­nen­maske Augusts des Starken – ein Meisterwerk des Hofjuweliers Johann Melchior Dinglinger, das den Herrscher als strahlenden Mittelpunkt der höfischen Inszenierungen zeigt. Neben dieser Ikone der barocken Festkultur beeindrucken vergoldete Helme, kunstvoll gearbeitete Silberharnische und prunkvoll geschmückte Pferdegeschirre, die den Glanz und die Pracht vergangener Feste eindrucksvoll vergegenwärtigen. Die Aus­stellung erinnert zudem an legendäre Ereignisse wie die wochenlangen Hochzeitsfeierlichkeiten von Friedrich August II. und Maria Josepha im Jahr 1719, bei denen Geschenke, Prunkwaffen und reich verzierte Reitzeuge als Zeichen höfischer Großzügigkeit und politischer Macht dienten. Ein weiteres Highlight ist das mit über 500 Glöckchen besetzte Schlit­tenzeug, das einst zur Brautwerbung am Wiener Hof eingesetzt wurde und nach aufwendiger Restaurierung nun wieder in vollem Glanz erstrahlt.

Insignien sächsischer Macht im Propositionssaal

Der Propositionssaal, einst Schauplatz bedeutender politischer Ereignisse, bildet das würdige Zentrum für die Prä­sen­tation der Insignien sächsischer Macht. Hier, wo 1831 die erste sächsische Verfassung verkündet und der Weg in die konstitutionelle Monarchie geebnet wurde, entfaltet sich ein Panorama ikonischer Herrschaftssymbole. Im Fokus steht der einzige in Deutschland erhaltene barocke Kurhut, ein seltenes Zeugnis fürstlicher Würde. Daneben zieht der königlich-polnische Krö­nungsornat Augusts des Starken die Blicke auf sich – eine Fi­gur, deren Kopf nach einem Lebendabdruck des Monarchen gestaltet wurde und die den Glanz der Krönung von 1697 in Krakau lebendig werden lässt. Der hermelingesäumte Krö­nungsmantel aus blauem Seidensamt mit Goldstickerei, die ori­ginalen Etuis für die Kronen sowie die monumentalen Kron­schwerter Polens und Litauens zeugen von der engen Ver­flechtung Sachsens mit der europäischen Geschichte. Orden, Medaillen und Münzen, darunter die Insignien des Elefanten­ordens, des Weißen Adler-Ordens und des Ordens vom Gol­denen Vlies, spiegeln die symbolische Bedeutung exklusiver Gesellschaften wider. Den Abschluss bildet eine Reihe von Büsten sächsischer Könige, während eine interaktive Station Besucherinnen und Besucher einlädt, selbst in die Rolle von Königin oder König zu schlüpfen und so die Aura der Macht unmittelbar zu erleben.

Ausstellungsansicht „Masken und Kronen” im Großen Ballsaal, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Oliver Killig
Meisterwerke aus Porzellan

Ein weiterer Höhepunkt der Ausstellung erwartet die Besucher im historischen Porzellankabinett des Turmzimmers. Über zwei Jahrhunderte hinweg galt dieser Raum als der vornehmste Schauraum für Meissener Porzellan – jenes legendäre „weiße Gold“, das den Ruhm Sachsens in ganz Europa begründete. Auf vergoldeten Konsolen vor rot lackierten und verspiegelten Wänden entfalten sich heute wieder die schönsten Er­zeugnisse der ersten europäischen Porzellanmanufaktur. Besonders eindrucksvoll sind die monumentalen Dragoner­vasen aus China und die 21 einzigartigen Elementvasen des Porzellankünstlers Johann Joachim Kaendler, die ursprünglich als diplomatisches Geschenk für den französischen König Ludwig XV. gedacht waren. Diese Prunkgefäße, die nach aufwendiger Restau­rie­rung und Ergänzung fehlender Teile nun erstmals wieder gemeinsam präsentiert werden, zeugen von der künstlerischen Meis­terschaft und dem diplomatischen Ehrgeiz des sächsischen Hofes. Leere Wandkonsolen erinnern zugleich an die Verluste, die Krieg und Nachkriegszeit hinterließen – und machen die erhaltenen Stücke umso kostbarer.

Mannigfaltige Sammlungen

Die neugestaltete Festetage hält noch weitere Schätze bereit, die den Facettenreichtum höfischer Repräsentation eindrucksvoll vor Augen führen. Im Audienzzimmer der Königin, das der letzten sächsischen Regentin Carola gewidmet ist, erstrahlt ihr Staatsporträt im Licht eines sorgsam restaurierten Prunk­leuch­ters. Eine Auswahl eleganter Damenschuhe aus dem 18. und 19. Jahrhundert lädt dazu ein, die modischen Sei­ten des Hoflebens zu entdecken. Die angrenzenden Bilder­kabinette präsentieren exquisite Geschenke Napoleons, darunter Gobelins und Por­zellan, die an die Erhebung Sachsens zum Königreich erinnern. Im Großen Bilderkabinett widmet sich die Aus­stel­lung dem Thema Kinder und Tiere am Hof: Neben Bildnissen von Prin­zen, Pferden und Hunden sind hier auch Kinderwaffen und eine europaweit einzigartige Samm­lung historischer Hunde­halsbänder aus der Spätrenaissance und dem Barock zu bewundern. Diese liebevoll kuratierte Kol­lektion unterstreicht die besondere Verbundenheit der sächsischen Fürsten mit ihren vierbeinigen Begleitern und bildet ein weiteres Allein­stel­lungs­merkmal der Dresdner Sammlungen.

Ausstellungsansicht „Masken und Kronen” im Großen Ballsaal, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Oliver Killig
Zeugnis europäischer Geschichte

Mit der neuen Dauerausstellung „Masken und Kronen“ setzt das Dresdner Residenzschloss einen glanzvollen Schlusspunkt unter die jahrzehntelange Wiederherstellung seiner Festsäle. Die sorgsam restaurierten Exponate und die eindrucksvolle Inszenierung machen die höfische Festkultur und die Reprä­sen­tation sächsischer Macht auf einzigartige Weise erlebbar. So wird das Residenzschloss erneut zu einem lebendigen Zeugnis europäischer Geschichte und zu einem Ort, an dem das kulturelle Erbe Sachsens in seiner ganzen Pracht aufscheint.

„Masken und Kronen. Festkultur und Machtrepräsentation am Dresdner Hof”
Im Residenzschloss, täglich 10-17 Uhr, Dienstag geschlossen
www.skd.museum

Redaktion: Jörg Fehlisch

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