Farben der Erinnerung

Ausstellungsansicht „Im Angesicht des Menschen – Sławomir Elsner/Albrecht Dürer”, © Gemäldegalerie Alte Meister, SKD, Foto: Oliver Killig
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Sławomir Elsner interpretiert in einer konzentrierten Werkschau der Gemäldegalerie Alte Meister zentrale Motive Albrecht Dürers neu – und eröffnet so einen Dialog zwischen Renaissance und Gegenwart.

Die Gemäldegalerie Alte Meister öffnet im Sommer 2026 ihre Türen für eine außergewöhnliche Werkschau: Unter dem Titel „Im Angesicht des Menschen – Sławomir Elsner/ Albrecht Dürer“ begegnen sich Vergangenheit und Gegenwart in einem faszinierenden Dialog. Im Semper-Kabinett entfalten acht neue Arbeiten des in Berlin lebenden Künstlers Sławomir Elsner ihre Wirkung – inspiriert von niemand Geringerem als Albrecht Dürer, dem Inbegriff der deutschen Renaissance.

Zeichnung als Hommage und Transformation

Elsner, 1976 in Polen geboren, ist bekannt für seine intensive Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte. Seine Werke entstehen als detailreiche Zeichnungen, die in Größe und Format den Originalen entsprechen. Mit feinsten Buntstift­schraffuren erschafft er vibrierende Farbräume, die aus der Nähe betrachtet abstrakt erscheinen, aus der Distanz jedoch vertraute Figuren und Szenen offenbaren. Diese Technik verleiht seinen Arbeiten eine eigentümliche Leichtigkeit und Tiefe, die den Betrachter in ihren Bann zieht.

Ausstellungsansicht „Im Angesicht des Menschen – Sławomir Elsner/Albrecht Dürer”, © Gemäldegalerie Alte Meister, SKD, Foto: Oliver Killig
Die Sieben Schmerzen der Maria – Ein neues Zentrum

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht Dürers frühes Meister­werk „Die Sieben Schmerzen der Maria“. Die sieben u-förmig angeordneten Tafeln, deren Zentrum einst die trauernde Maria bildete, werden durch Elsners zeichnerische Interpretation der Schmerzensmutter ergänzt. Während Dürers Original in erdigen Tönen gehalten ist, leuchtet Elsners Maria in hellen, fast entrückten Farben. Sie scheint zu schweben, als wolle sie das irdische Leid hinter sich lassen – ein subtiler Bruch mit der Tradition und zugleich eine poetische Erweiterung des historischen Werks.

Zwischen Schuld, Erkenntnis und Erlösung

Auch andere Zeichnungen Elsners nehmen Bezug auf Dürers berühmte Bildtafeln wie „Adam“ und „Eva“ oder die ikonischen Selbstbildnisse. Im Zentrum steht stets der Mensch im Moment existenzieller Erfahrung – zwischen Schuld, Schmerz und der Hoffnung auf Erlösung. Elsners Linien verweigern die klare Kontur, lassen Motive nur schemenhaft erscheinen und verschwinden. Gerade diese Unschärfe fordert den Betrachter heraus, genauer hinzusehen und die Tiefe menschlicher Emo­tionen zu ergründen.

Kunst im Dialog

Begleitend zur Ausstellung laden Kunstgespräche mit Exper­ten wie Roland Enke und Holger Jacob-Friesen dazu ein, die Werke im gemeinsamen Austausch zu entdecken. So wird die Begegnung mit Elsners und Dürers Kunst zu einem lebendigen Dialog über Zeit, Mensch und Bild.

Im Angesicht des Menschen – Sławomir Elsner / Albrecht Dürer
Gemäldegalerie Alte Meister, im Zwinger
Laufzeit bis 30.08.2026
täglich 10-17 Uhr, Montag geschlossen
Kunstgespräche: Di., 14.07. 2026, 15.30 Uhr, mit Roland Enke /
Sa., 22.08.2026, 11 Uhr, Dialog: Holger Jacob-Friesen mit Sławomir Elsner

Redaktion: Jörg Fehlisch

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