Ruth Moschner: Herzenssache Hoffnung
Die Moderatorin und Autorin Ruth Moschner stellte kürzlich in Dresden ihr neues Buch „Die Fuck it List Challenge“ vor. Das Buch – ein Plädoyer für mehr Selbstbestimmung im Alltag – und ihr langjähriges Engagement für die HOPE Kapstadt Stiftung gaben den Impuls für unser Gespräch. Ruth Moschner berichtet von ihrer engen Verbindung zur HOPE-Gala, ihrer Freundschaft zu Viola Klein und bewegenden Eindrücken aus Kapstadt. Sie erzählt, warum Dresden für sie ein Ort der Hoffnung ist und wie gesellschaftliches Engagement ihr Leben und Denken prägt.
Top: Frau Moschner, Sie moderieren in diesem Jahr bereits zum dritten Mal die HOPE-Gala in Dresden. Was bedeutet Ihnen dieses Engagement ganz persönlich – und was macht die Gala für Sie zu einem Herzensprojekt?
Ruth Moschner: Ich begleite die Stiftung nun schon fast von Beginn an und kenne keine Organisation, die nur ansatzweise an positiver Entwicklung mithalten kann. Und ich freue mich, egal ob als Moderatorin oder als Gast der Gala, jedes Jahr aufs Neue zu sehen, wie großzügig Dresden ist. Die Elbflorenz ist nicht nur bildhübsch, sondern hat ein Herz aus Gold. Solche Menschen motivieren mich und lassen mich an eine positive Zukunft glauben. Auch Dresden selbst steht für Hope – Hoffnung.

Top: Sie und Viola Klein, die Initiatorin der HOPE-Gala, verbindet eine langjährige Freundschaft. Können Sie uns einen besonderen Moment oder eine Anekdote aus Ihrer gemeinsamen Zeit erzählen, die Ihnen bis heute im Gedächtnis geblieben ist?
Ruth Moschner: Jedes Treffen mit Viola Klein ist ein Ereignis, das habe ich von Sekunde eins an so empfunden. Zuerst hat mich ihre Rhetorik beeindruckt, das war beim ersten Treffen bei der Goldenen Henne damals in Berlin. Mensch, konnte die reden! Inzwischen weiß ich, da ist Tiefgang und Substanz. Die quatscht eben nicht nur, die macht! Und das sehr zuverlässig und nachhaltig. Viola vereint gesellschaftliche Verantwortung und unternehmerisches Können. Und sie ist da, wenn man sie um Hilfe bittet, und hat mir schon den einen oder anderen guten Rat mitgegeben. Ich mag ihr Selbstbewusstsein und ihre Selbstverständlichkeit, dort anzupacken, wo es nötig ist. Ich empfinde Viola als großes Vorbild. Wir haben ja beide ein ähnliches Temperament und das Talent, uns des Lebens zu erfreuen, selbst wenn mal nicht alles so rund läuft.
Top: Sie waren bereits mehrfach selbst in Kapstadt und haben die Projekte von HOPE Cape Town vor Ort erlebt. Was hat Sie dort am meisten beeindruckt – und wie hat diese Erfahrung Ihren Blick auf gesellschaftliches Engagement verändert?
Ruth Moschner: Die HOPE Kapstadt Stiftung überlässt den Menschen vor Ort ihre Mündigkeit. Hilfe zur Selbsthilfe. Hier stellt sich niemand über den anderen. Allein, dass die Mitarbeitenden allesamt aus den Townships kommen, bestens ausgebildet sind und von anderen Organisationen abgeworben werden, sagt doch schon alles. Die Stiftung verbindet die Menschen mit der Politik und unterstützt die Eigenständigkeit. Das Konzept geht auf, und ich bin jedes Mal aufs Neue beeindruckt, was sich im Laufe der Jahrzehnte alles getan hat. Die Geschichte Südafrikas erzählt von Kolonialismus und Apartheid. In der Zukunft wird Südafrika ein starker Partner auf Augenhöhe sein. Und daran hat die HOPE ihren Anteil.
Top: In Ihrem neuen Buch „Die Fuck It List Challenge“ plädieren Sie für mehr Selbstbestimmung und das Loslassen gesellschaftlicher Zwänge. Gibt es eine Erkenntnis aus Ihrer Arbeit mit HOPE Cape Town oder Ihrer Freundschaft zu Viola Klein, die in Ihr Buch eingeflossen ist?
Ruth Moschner: Absolut. Ich habe Viola Klein zum Thema Geld und Reichtum interviewt, dem widme ich ja ein ganzes Kapitel und lege auch meine Finanzen offen. Violas Perspektive halte ich für sehr interessant. Sie ist im Sozialismus aufgewachsen und hat im Kapitalismus ein mittelständisches Unternehmen mit 400 Mitarbeitenden aufgebaut. Ich habe mit ihr darüber gesprochen, wieso man sagt, dass die Frauen der DDR die Gewinnerinnen der Wende sind, und natürlich wollte ich noch ihre Tricks und Tipps wissen.

Top: Sie haben Ihr Buch ganz bewusst in Dresden vorgestellt und betont, wie wichtig Ihnen diese Region ist. Was verbinden Sie persönlich mit Dresden – und warum passt die Botschaft Ihres Buches gerade hierher?
Ruth Moschner: Im Buch geht es ums Anderssein und darum, dass genau das unsere Stärke sein kann. Ich selbst komme aus einer Familie mit vielen Schicksalen: Genozid, Heimatvertriebene, Enteignung, Verlust von Familie… Ich glaube, aufgrund meiner Geschichte fühle ich mich Menschen, die in der DDR aufgewachsen sind und von heute auf morgen plötzlich „kein Land“ mehr hatten, nahe. Natürlich ist das nicht dasselbe. Aber es sind eben diese besonderen Erfahrungen, die dann doch zu spannenden Gesprächen führen. Ich mag es einfach, in andere Lebensrealitäten einzutauchen. Und mit Dresden verbinde ich, neben den Freundschaften, immer auch die beeindruckende Geschichte des Wiederaufbaus. Ich freue mich da wirklich jedes Mal, wenn ich an der Frauenkirche vorbeilaufe und muss schmunzeln, weil ich einfach weiß, da haben sehr viele Menschen bewiesen, was möglich ist, wenn man zusammenhält.
Top: Die HOPE-Gala steht für Hoffnung, Mut und Gemeinschaft. Was wünschen Sie sich für den Gala-Abend am 10. Oktober – und was möchten Sie den Gästen und Unterstützern mit auf den Weg geben?
Ruth Moschner: Natürlich wollen wir viel Geld einnehmen. Es geht aber auch um einen tollen gemeinsamen Abend, an dem wir das Leben feiern. Gesellschaftliches Engagement hat einen ernsten Hintergrund, aber ich freue mich auch, wenn wir zu den Musikacts gemeinsam mitsummen, lachen und einfach eine gute Zeit haben. Man darf nämlich beides, und Dresden hat die Gabe, genau das zu tun!
18. HOPE-Gala im Schauspielhaus Dresden am 10. Oktober 2026,
Informationen und Tickets unter www.hopegala.de
Interview: Jörg Fehlisch

