Religion, Erinnerung & Gedächtnis

Edmund de Waal, Irrkunst, 2016 / © Galerie Max Hetzler Berlin, Paris, London, Marfa
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„Fragmente der Erinnerung. Der Schatz des Pra­ger Veitsdoms im Dialog mit Edmund de Waal, Josef Koudelka und Julian Rosefeldt” in der Kunsthalle im Lipsiusbau

Im Zentrum der Ausstellung steht der über Jahr­hun­derte gewachsene Reliquienschatz des Prager Veitsdoms, eine der bedeutsamsten Sammlungen von Belegstücken des Glaubens. Erstmalig wird der Domschatz außerhalb seines ursprünglichen Bestimmungsortes präsentiert. In Dresden werden 125 mit­telalterliche und frühneuzeitliche Reliquiare gezeigt. Ergänzend zu der Ausstellung werden Exponate im Grünen Ge­wölbe inszeniert, die gemäß ihrer Entstehungszeit oder Funk­tion einen engen Bezug zur Prager Domschatzkammer aufweisen. Elf ausgewählte Kunstwerke ergänzen hier zusammen mit der zeitgenössischen Installation von Olaf Nicolai die Ausstellung im Lipsiusbau.

Darüber hinaus eröffnen drei zeitgenössische Künstler mit ihren unterschiedlichen Ansätzen zusätzliche Per­s­pek­tiven zum Thema. Das keramische Werk des Künstlers Edmund de Waal (1964) schafft Räume für Meditation und Reflexion. Dabei begreift er seine Objekte als Zeugnisse von Geschichten: In dem Projekt „Irrkunst“ bezieht er sich auf den deutschen Denker Walter Benjamin und dessen Um­her­schweifen als Flaneur und sein Interesse an den unzähligen kleinen Dingen der Welt. Großformatige Fotografien von Josef Koudelka (1938) bilden dazu einen Kontrast. Sie zeigen die durch die Er­rich­tung der Mauer zwischen Israel und der palästinensischen Westbank zerschnittenen Landschaften – eben jener Region, in der die drei großen monotheistischen Welt­religionen ihre Wurzeln und sakralen Stätten haben.

Reliquienbüste des heiligen Veit, Prag, vor 1484 / © Martin Polák

Der Film „In the Land of Drought“ von Julian Rosefeldt (*1964) verwendet verlassene Filmkulissen, um Erinne­run­gen an die biblische Vorgeschichte und die Entwicklung der Menschheit, vor allem im Nahen Osten und in Nordafrika, wachzurufen. Weiterhin wendet sich der Film den Spuren der industriellen Vergangenheit Mitteleuropas zu. Der Film ermöglicht es, die aktuellen Sorgen um Kulturzerstörung, Umweltschäden und Klimawandel einzufangen.

Vervollständigt wird dieses Ensemble durch eine für das Publikum nutzbare Bibliothek als einen Ort, an dem die Gedächtnisspuren der menschlichen Zivilisation aufbewahrt und aufgearbeitet werden – auch wenn sie notwendigerweise fragmentarisch bleiben. Den Kern der ausgestellten Bücher bildet die erhaltene Gelehrtenbibliothek des großen Mittel­alterhistorikers und langjährigen Leiters des Staatsarchivs Bamberg Franz Machilek (1934–2021).

Fragmente der Erinnerung. Der Schatz des Prager Veitsdoms im Dialog mit Edmund de Waal, Josef Koudelka und Julian Rosefeldt.
Ausstellung bis zum 8. September 2024 in der Kunsthalle im Lipsiusbau
Öffnungszeiten: täglich 10-18 Uhr, Montag geschlossen
www.skd.museum

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