Kunsthaus Dresden: Bilder des Umbruchs

Tobias Kruse, „Nach den Bränden, Pacific Palisades, Los Angeles, USA, Winter 2025” - Ausschnitt / © Tobias Kruse/OSTKREUZ
Die Ausstellung „Was tun wir“ in der Dresdner robotron-Kantine zeigt, wie das Kollektiv OSTKREUZ mit Fotografie gesellschaftliche Veränderungen, Unsicherheiten und neue Perspektiven sichtbar macht.

In einer Ära, in der alte Sicherheiten bröckeln und gesellschaftliche Umbrüche den Alltag prägen, gewinnt die Foto­grafie eine neue, fast existenzielle Bedeutung. Sie wird zum Spie­gel einer Welt im Wandel, fängt Unsichtbares ein und macht das Flüchtige sichtbar. Gerade in solchen Zeiten stellt sich die Frage: Welche Verantwortung tragen Fotograf*innen, wenn Gewissheiten schwinden und neue Realitäten entstehen?

Facettenreiches Panorama

Die Ausstellung „Was tun wir. Bilder in Zeiten zerfallender Gewissheiten“ vereint aktuelle Werkserien von 25 Mitgliedern des renommierten Fotograf*innen-Kollektivs OSTKREUZ mit ausgewählten historischen Arbeiten aus der Zeit vor und nach der Wende. Über anderthalb Jahre hinweg entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Dresden ein facettenreiches Panorama, das gesellschaftliche Transformationen, politische Machtverschiebungen und ökologische Veränderungen in eindrucksvollen Bildern reflektiert. Raumgreifende In­stal­lationen und Videoprojektionen erweitern die klassische Foto­grafie und laden dazu ein, die Rolle des Mediums in einer sich rasant verändernden Welt neu zu denken. Die Ausstellung öffnet damit nicht nur einen Erfahrungsraum für Vergan­gen­heit und Gegenwart, sondern stellt auch die Frage nach der Zu­kunft der Fotografie selbst.

Tobias Kruse, aus der Serie „Ära”, (Nach den Bränden, Pacific Palisades, Los Angeles, USA, Winter 2025) / © Tobias Kruse/OSTKREUZ
Gesellschaftliche Entwicklungen interpretieren

Im Zentrum der Ausstellung stehen die Fotografinnen der in Berlin ansässigen Agentur OSTKREUZ, deren Geschichte selbst ein Spiegel gesellschaftlicher Umbrüche ist. 1990, im Schatten des Mauer­falls, gründeten sieben ostdeutsche Foto­grafinnen – inspiriert von der legendären Agentur Magnum – ein Kollektiv, das heute 26 Mitglieder zählt. Namen wie Sibylle Bergemann, Harald Hauswald oder Ute Mahler stehen für eine engagierte Dokumentar­foto­grafie, die stets den Men­schen und seine Lebens­welt in den Mit­tel­punkt rückt. Gemeinsam mit dem Kunst­haus Dres­den, das als städtisches Zentrum für internationale Gegenwartskunst seit den 1990er Jah­ren für Offenheit und Diskurs steht, gelingt es OSTKREUZ, gesellschaftliche Ent­wicklungen nicht nur zu dokumentieren, sondern auch kritisch zu hinterfragen und künstlerisch zu interpretieren.

Besondere Atmosphäre der Ausstellungshalle

Die Wahl des Ausstellungsortes ist dabei alles andere als zufällig: Die Dresdner robotron-Kantine, ein markantes Bauwerk der Nachkriegsmoderne, öffnet für diese Ausstellung ein letztes Mal vor ihrer Sanierung die Türen. Der geschichtsträchtige Ort, tief verwurzelt in den Umbrüchen der 1990er Jahre, wird so zur Bühne für Fotografien, die von Aufbruch, Wandel und den Herausforderungen einer neuen Zeit erzählen. Die Verbindung von Raum und Kunst schafft eine Atmosphäre, in der Vergangenheit und Gegenwart auf einzigartige Weise miteinander verschmelzen. So wird die Ausstellung „Was tun wir“ zu mehr als einer bloßen Schau zeitgenössischer Fotografie. Sie eröffnet Erfah­rungs­räume, in denen Bilder von Ende und Neu­an­fang, von Krieg, Solidarität und dem Streben nach positiver Veränderung aufeinandertreffen.

WAS TUN WIR. Bilder in Zeiten zerfallender Gewissheiten.
Eine Ausstellung des Kunsthauses Dresden zur Rolle zeitgenössischer Fotografie in Zusammenarbeit mit den Fotograf*innen der Agentur OSTKREUZ
Ausstellung bis 8. November 2026
Kunsthaus Dresden in der robotron-Kantine
Lingnerallee am Skatepark, 01067 Dresden

Redaktion: Jörg Fehlisch

Sie interessieren Sich möglichweise auch für: