Rodins Erbe in Dresden

Die Wiederentdeckung einer einzigartigen Sammlung: Im Albertinum treffen Rodins Werke auf die großen Namen der Moderne. Die Ausstellung „Das große Drama.” erzählt von mutigen Entscheidungen, hitzigen Debatten und Dresdens Aufstieg zum Zentrum europäischer Skulpturkunst.
Mit der Ausstellung „Das große Drama. Auguste Rodin und der Streit um die Moderne“ rückt das Albertinum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ab Herbst 2026 einen bislang verborgenen Schatz ins Licht der Öffentlichkeit. Nach Jahrzehnten des Wartens werden die bedeutenden Werke von Auguste Rodin und seinen Zeitgenossen wieder zugänglich – ein Ereignis, das die bewegte Geschichte der europäischen Moderne eindrucksvoll erlebbar macht.

Georg Treu: Ein Pionier mit Weitblick
Im Zentrum dieser Geschichte steht Georg Treu, der visionäre Direktor der Dresdner Skulpturensammlung um 1900. Mit unermüdlichem Engagement und einem Gespür für das Neue wagte er den Schritt in die Moderne. Sein Ziel: Dresden sollte zeigen, „was in der Weltplastik in unserer Zeit geleistet wird“. Treu knüpfte Kontakte nach Paris, dem pulsierenden Zentrum der Avantgarde, und erwarb gezielt Werke von Künstlern wie Auguste Rodin, Emanuel Frémiet und Constantin Meunier. Damit legte er den Grundstein für eine Sammlung, die in Deutschland ihresgleichen sucht.

Kunst und Kontroverse
Doch der Weg zur Moderne war steinig. Besonders der Ankauf von Albert Bartholomés „Monument aux morts“ entfachte 1901 einen erbitterten Streit. Dresdner Bildhauer beklagten öffentlich die vermeintliche „Ausländerei“ und kritisierten, dass französische Kunst bevorzugt werde. Diese Debatte offenbarte, wie umkämpft die Öffnung für internationale Strömungen war – und wie leidenschaftlich um die Ausrichtung der Sammlung gerungen wurde.

Die Kraft der Skulptur
Die ausgestellten Werke spiegeln nicht nur künstlerische Innovation, sondern auch gesellschaftlichen Wandel. Der Mensch, seine Arbeit, seine Hoffnungen und Nöte rücken ins Zentrum. Monumentale Plastiken, eindrucksvolle Reliefs und psychologisch aufgeladene Porträts erzählen von den Umbrüchen der Zeit – und berühren noch heute durch ihre Ausdruckskraft.

Neue Perspektiven
Im Zuge der Ausstellung wurden die Kunstwerke umfassend restauriert und wissenschaftlich erforscht. Die Ergebnisse, erstmals in einem Katalog zusammengefasst, eröffnen neue Perspektiven auf die Sammlung und ihre Bedeutung für die europäische Moderne.

Das große Drama. Auguste Rodin und der Streit um die Moderne
Ausstellung im Albertinum (Tzschirnerplatz 2, 01067 Dresden) bis 22.08.2027
www.skd.museum
Redaktion: Jörg Fehlisch

