„Hoffnung bedeutet, selbst aktiv zu werden.”

Die Südtiroler Deutschrock-Band Frei.Wild engagiert sich für die HOPE Kapstadt Stiftung. Wie es dazu kam und warum die Unterstützung ein Herzensprojekt für die Band ist, erzählt Sänger Philipp Burger im Gespräch.
Top: Wie kam der Kontakt zur HOPE Kapstadt Stiftung zustande und warum habt ihr euch entschieden, euch dort zu engagieren?
Philipp Burger: Der Kontakt entstand über Dagmar Ambach und weitere Menschen, die uns vom großartigen Engagement von Viola Klein erzählt und den Kontakt hergestellt haben. Sie haben uns das Projekt und die Arbeit von HOPE in Südafrika nähergebracht.
Da ich selbst vor einigen Jahren in Südafrika war und dort auch Bekannte habe, wusste ich bereits, wie die Situation für viele Menschen und vor allem Kinder in den Vororten von Kapstadt aussieht. Deshalb war für uns relativ schnell klar, dass wir dieses Projekt unterstützen möchten.
Beeindruckt hat uns vor allem, dass bei HOPE nicht nur über Probleme gesprochen wird, sondern ganz konkret geholfen wird. Vor Ort. Kindern und Jugendlichen werden Perspektiven eröffnet, durch Bildung, Ausbildung und die Möglichkeit, sich selbst etwas aufzubauen. Das spricht uns auch deshalb an, weil wir selbst aus dem Handwerk kommen. Ich bin gelernter Zimmerer, die anderen in der Band haben ebenfalls handwerkliche Berufe gelernt. Wir wissen, wie viel Würde, Selbstvertrauen und Zukunft in guter Arbeit steckt. Hier können wir nicht nur unterstützen, sondern auch selbst mit anpacken und unsere Fans für eine gute Sache begeistern.

Top: Gab es ein persönliches Erlebnis, das dich besonders für dieses Thema sensibilisiert hat?
Philipp Burger: Ja, definitiv. Die Bilder, die ich in Südafrika gesehen habe, haben Spuren hinterlassen. Ich war selbst nicht in den gefährlichsten Townships unterwegs, weil uns eindringlich davon abgeraten wurde. Aber schon das, was man von außen sieht, was man aus Gesprächen mit Einheimischen erfährt und später durch Berichte und Dokumentationen vertieft, reicht aus, um zu verstehen, vor welchen Herausforderungen viele Menschen dort stehen. Ich bin sicherlich kein Charity-Heiliger und habe mich auch nie als solcher gesehen. Aber wir haben als Band immer wieder Projekte unterstützt, bei denen Kinder und Jugendliche im Mittelpunkt standen.
Auf Reisen lernt man schnell, dass die Chancen im Leben sehr ungleich verteilt sind. Und gerade wenn Kinder betroffen sind, lässt einen das nicht kalt.
Wichtig ist mir dabei, dass Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird. In der Vergangenheit wurde im Namen von Wohltätigkeit leider auch viel Schindluder betrieben. Bei HOPE habe ich das Gefühl, genau zu wissen, wohin Geld, Zeit, Wissen und Engagement fließen. Das schafft Vertrauen.
Top: Was bedeutet Hoffnung für dich persönlich – gerade in der heutigen Zeit?
Philipp Burger: Hoffnung bedeutet für mich, auch im dunkelsten Tal nach einem Lichtstrahl zu suchen und ihm zu folgen. Wir leben in einer Zeit voller Krisen, Konflikte und Unsicherheiten. Viele Menschen fühlen sich orientierungslos oder machtlos. Hoffnung bedeutet für mich deshalb nicht, auf bessere Zeiten zu warten. Hoffnung bedeutet, selbst aktiv zu werden. Sie verlangt Mut, Ausdauer und manchmal auch die Bereitschaft, sich selbst zu überwinden. Hoffnung beginnt dort, wo Ausreden aufhören und Menschen anfangen anzupacken.

Top: Wie wichtig ist es dir als Künstler, auch gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen?
Philipp Burger: Ich glaube, jeder Mensch trägt Verantwortung – unabhängig davon, ob er Künstler ist oder nicht.
Als Musiker hat man allerdings eine gewisse Reichweite und damit auch die Möglichkeit, auf Dinge aufmerksam zu machen oder Menschen zusammenzubringen.
Das bedeutet nicht, dass man zu jedem Thema eine Meinung haben muss. Aber ich finde, man sollte immer versuchen, das Verbindende zu suchen und nicht das Trennende. Egal, welche Herkunft, welche politische Einstellung oder welchen Hintergrund jemand hat.
Zusammen erreicht man mehr als gegeneinander. Leider habe ich manchmal das Gefühl, dass viele Menschen – auch Künstler – nur noch in ihrer eigenen Blase unterwegs sind. Dabei gehen Chancen verloren, gemeinsam etwas zu bewegen.
Top: Glaubst du, Musik kann wirklich etwas verändern – oder eher Menschen motivieren, selbst aktiv zu werden?
Philipp Burger: Musik allein wird die Welt nicht verändern. Aber Musik kann Menschen berühren. Sie kann Trost spenden, Mut machen, zum Nachdenken anregen und Gemeinschaft schaffen. Wenn ein Lied dazu beiträgt, dass jemand sein Leben reflektiert, einen Fehler eingesteht, jemandem vergibt oder selbst aktiv wird, dann hat Musik bereits etwas verändert. Vielleicht nicht die ganze Welt – aber die Welt eines einzelnen Menschen. Und das ist oft mehr, als man denkt.

erschienen im Oktober 2023 im Kampenwand Verlag (Nova MD) / Foto: © Andrea Ballschuh
Top: Was würdest du dir wünschen, was eure Fans – vielleicht auch Kritiker – aus diesem Engagement mitnehmen?
Philipp Burger: Ich würde mir wünschen, dass die Menschen erkennen, dass Hilfe keine Frage von Politik, Herkunft oder Weltanschauung sein sollte. Es geht darum, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Niemand muss die Welt retten. Aber jeder kann im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas beitragen. Und damit meine ich nicht, sich einmal im Jahr für ein schönes Foto auf eine medienwirksame Bühne zu stellen. Ich meine echtes Engagement. Ärmel hochkrempeln. Zeit investieren. Wissen weitergeben. Mit anpacken. Vielleicht auch einmal selbst Geld in die Hand nehmen.
Wenn unser Engagement dazu beiträgt, dass Menschen über den eigenen Tellerrand hinausschauen und selbst aktiv werden, dann haben wir viel erreicht.
Top: Wenn du eine Sache sofort verändern könntest – was wäre das?
Philipp Burger: Ich würde jedem Land und jedem Menschen auf dieser Welt die Chance auf Bildung, Sicherheit und eine lebenswerte Zukunft geben. Das Gefühl, in seiner Heimat alles zu haben, was es für ein glückliches und erfülltes Leben braucht. Wo Bildung, Perspektive und Hoffnung wachsen, wachsen auch Freiheit, Verantwortung für andere und Frieden.
HOPE-Gala im Schauspielhaus Dresden am 10.10.2026, Informationen und Tickets unter www.hopegala.de
Interview: Roland Hess

