Villa Wollner: Architektonisches Kleinod in Wachwitz

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Kennen Sie die Villa Wollner? Das wunderschöne Objekt liegt in einer erhabenen Hanglage in Dresden-Wachwitz. Dass nur wenige Dresdner von dem unter Denkmalschutz stehenden Wohnhaus wissen, liegt in erster Linie daran, dass die Villa lange Zeit im Privatbesitz war. Seit 2015 ist sie nun Sitz der gemein­nützigen LIOHT Stiftung und damit auch für die Öffentlichkeit aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Grund genug, um das architektonische Unikat unter die Lupe zu nehmen und genauer nachzufragen.
Foto: Franziska Pilz – KONVEX Fotografie

Wir sprachen mit Architekt Christian Grayer, Vorsitzender der LIOHT Stiftung, über die Potenziale, die das Anwesen birgt. Die Stiftung vermietet die Villa Wollner auch für externe Interessenten, um das Haus zu öffnen und um den Erhalt des Denkmals und die gemeinnützigen Zwecke der LIOHT Stiftung mit zu unterstützen. Sowohl private Feiern als auch Business-Veran­staltungen und Tagungen finden hier einen besonderen Rahmen.

Für welche Veranstaltungen eignet sich die Villa Wollner?

Christian Grayer: Die Villa Wollner ist ein Anwesen, das wir mit der LIOHT Stiftung angemietet haben, um Veranstal­tungen im Stiftungssinne zu organisieren. Das sind Angebote, bei denen vorwiegend Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene in der Entwicklung ihrer Persönlichkeit gefördert werden, sowie Konzerte für junge musikalische Talente. Wir vermieten das Haus aber auch für externe Interessenten. Es sind private und geschäftliche Events machbar. Man kann im Haus auch übernachten. Mit den Vermietungen wollen wir einerseits die gemeinnützige Stiftungsarbeit finanzieren und die Villa andererseits der Öffentlichkeit zugänglich machen. Jede Anmietung erfüllt also auch einen guten Zweck.

Christian Grayer im Gespräch mit Top Magazin Dresden/Ostsachsen
Foto: © Franziska Pilz – KONVEX Fotografie
Was sind die Alleinstellungsmerkmale der Villa?

Da wäre als erstes die Lage zu nennen. Die Villa sitzt direkt am Steinberg in Dresden-Wachwitz und eröffnet dem Betrachter einen unverstellten Blick ins Elbtal. Die nächste Besonderheit ist die Größe. Das Anwesen wurde Ende des 19.Jahrhunderts als Unternehmervilla konzipiert. Ent­spre­chend geräumig ist die Innengestaltung. Hinzu kommt der große Park um die Villa, der zum Flanieren einlädt. Das Grundstück ist auch abgeschlossen, so dass man beim Feiern stets unter sich ist. Die Events sind exklusiv. Wir vermieten nie zwei Veranstaltungen parallel und es gibt auch keinen öffentlichen Cafébetrieb oder ähnliches.

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Blick in den Kronsaal / Foto: © Villa Wollner
Sie legen den Fokus vor allem auch auf Tagungen und Business-Veranstaltungen. Inwiefern glänzt die Villa Wollner gerade bei diesen Events?

Das Gebäude ist hochwertig saniert und bietet ein unvergleichliches Ambiente. Dabei ist der große Kron­saal der zentrale Raum, der sich optimal für Tagungen oder Vor­träge anbietet. Daran schließen mehrere kleine Räume an, so dass man auch Gruppen aufteilen kann. Es gibt eine hochwertig ausgestattete Küche mit der Möglichkeit, eine lange Tafel zu stellen, an der man etwa seine besten Geschäftsfreunde oder Kunden zu Tisch bitten kann. Durch den Garten kann man Events mit Indoor- und Outdoor-Elementen kombinieren. Nicht zu vergessen: Es gibt Parkplätze auf dem Grundstück. Unser Wunsch ist es, dass wir gerade unter der Woche Unternehmen finden, die ihre Events in der Villa Wollner veranstalten wollen. Am Wochen­ende ist das Haus vor allem mit eigenen Seminaren und privaten Feierlichkeiten bereits gut belegt.

Foto: © Lars Neumann
Was ist Ihre Strategie, damit die Villa Wollner wieder Teil des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens wird?

Wir wollen das Haus immer wieder öffnen für kulturelle Veranstaltungen. Zum Beispiel für unser Kultur- und Kunstwochenende, das einmal im Jahr stattfindet. Aber auch für die Förderkonzerte, die von der LIOHT Stiftung ausgehen. Hinzu kommen regelmäßige Matineen, Serenaden, Lesungen, Ausstellungen und Vorträge.

Foto: © Ben Gierig
Foto: © Ben Gierig
Architektonisch ist die Villa geprägt von barocken Ele­menten. Das Objekt enthält aber auch Einflüsse aus englischer Landhausarchitektur, Antike und Jugendstil. Ist die Villa ein architektonisches Unikat in Dresden?

Das kann ich als Architekt mit Fug und Recht behaupten. Sie ist nicht nur in Dresden ein Unikat, sondern auch über die Stadtgrenzen hinaus. Die Villa Wollner ist in Sachsen eine der größten privaten Wohnhausimmobilien aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Fassaden und der Tee­pavillion werden jetzt in 2020 sogar noch einmal erneuert. Der angesprochene Stilmix ist Zeichen seiner Zeit. Zuletzt wurde das Haus 1908 von Wilhelm Kreis umgebaut, damals noch ein junger aufstrebender Architekt, der später das Hygiene-Museum bauen sollte. Er hat diese Mischung aus barocker Grund-Atmosphäre und den vielen Elementen anderer Stile vorangebracht. Man findet orientalische oder ägyptische Einsprengsel, auch Bildhauerarbeiten und Wandgestaltungen von Professoren der Kunstakademie. Zudem hat die Villa eine bewegte Historie. Im Rahmen von Führungen erinnern wir an die vielen Stationen, die das Haus im Laufe seiner Geschichte durchlebt hat.

Seit 2015 ist die Villa Sitz der gemeinnützigen LIOHT Stiftung. Wie kam es dazu?

Meine liebe Stiftungskollegin Gundula Liebisch und ich haben die LIOHT Stiftung 2010 in Regensburg gegründet, um ihren laufenden Kinder- und Jugendprojekten eine adäquate Trägerschaft zu geben. Damit waren auch die Spen­den von Gönnern und Wohltätern, zum Beispiel für die großen Tanztheaterprojekte an Schulen oder die Arbeit mit ADHS-Kindern, gemeinnützig anerkannt. Unsere beruflichen und ideellen Wege führten uns dann immer öfter nach Dresden, so dass sich die Stadt bald als Hauptstandort für die Stiftung herauskristallisiert hat. Wir brauchten nur noch einen Ort, um die Stiftung zu verankern. Über Zufälle sind wir dann 2015 als Mieter zur Villa Wollner gekommen.

Intensivwoche für Kinder der LIOHT Stiftung / Foto: © Villa Wollner
Was ist der Zweck der Stiftung?

Wir sind eine kleine Treuhandstiftung, verfügen also über keine großen Gelder und sind auf Spenden angewiesen. In den Bereichen Bildung und Erziehung sowie Ge­sund­heit und Medizin geht es uns in erster Linie um die Förderung der individuellen Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen, aber auch von Erwachsenen. Ein besonderes Projekt ist die In­ten­siv­woche, in der die ganze Villa nur den Kindern zur Ver­fügung steht. Wir richten kreative Ecken im Haus ein und sorgen für eine inspirierende Umgebung. Dabei stehen die Kinder selbst ganz im Mittelpunkt unserer Ansätze, und sie können sich geführt durch Kunst, Natur, Bewegung, Tanz und Theater­arbeit selbst erfahren und näherkommen. Wir wollen den Kindern helfen, ihren Selbstwert und ihre Lei­den­schaften zu entdecken. Es ist kein Freizeit-, sondern ein gezieltes Förder­angebot. Dabei setzen wir sowohl hinsichtlich der Alters- als auch der Einkom­mensstruktur auf einen Quer­schnitt der Bevölkerung.

Foto: © Villa Wollner
Sie wollen auch einen Kindergarten etablieren?

Wir haben mit unserer LIOHT Stiftung in Re­gens­burg schon einen Waldkindergarten in eigener Träger­schaft betrieben. Unsere Idee ist es, nun auch in der Villa einer Kindergartengruppe Raum zu bieten. Eine bestehende Gruppe aus Blasewitz wird Anfang 2021 bei uns einziehen. Dafür baut der Eigentümer für uns das Souterrain in der Villa so um, dass der Kinder­gar­ten­betrieb möglich ist. Das wird jetzt in der zweiten Jah­res­hälfte 2020 umgesetzt.

Interview: Philipp Demankowski

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