Theaterkritik: Freischütz mit Reibeisenstimme

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Für das Gespenster-Musical „The Black Rider. The Casting of the Magic Bullets“ macht das tjg. theater junge generation gemeinsame Sache mit der Staatsoperette Dresden.

Seine Uraufführung feierte das Stück am 31. März 1990 im Thalia-Theater in Hamburg. Danach folgten unzählige Inszenierungen. Vor allem in Deutschland erfreut sich der „Black Rider“ großer Beliebtheit. Kein Wunder, schließlich basiert die Handlung auf der Volkssage des Freischütz‘, die wiederum auch die Grundlage für Carl Maria von Webers gleichnamige Oper bildete. Seine Popularität verdankt das Musical aber natürlich auch der Tatsache, dass niemand anderes als Tom Waits die Musik schrieb. Der Spiegel schrieb bei der Uraufführung 1990: „Es ist die Cats-Version für Intellektuelle und Snobs.“ Keine ganz unpassende Einschätzung, schließlich stammt das Libretto von William S. Burroughs. Und der größte Exzentriker der Beat Generation stand nicht gerade in dem Ruf, eine Ausgeburt der Empathie zu sein.

Teuflische Verführung

Es ist die schräge Mixtur aus Vaudeville und Varieté, die das Stück so besonders macht. Waits versteht es wie kein zweiter mit seinen Songs eine bedrohliche Atmosphäre zu kreieren. Seine typisch rauchigen Melodien kommen nicht nur beim Konzert, sondern auch auf der Theaterbühne perfekt zur Geltung. Fast meint man, die auftretenden Figuren könnten auch mit der Kunstfigur Tom Waits gut befreundet sein. Da wäre Wilhelm, der sich in die Försterstochter Käthchen verliebt. Behaupten muss sich der schüchterne Amtsschreiber aber zunächst gegen den Jägerburschen Robert, den der Erbförster Bertram und seine Frau Anne als Gatten favorisieren. Um seine Kernigkeit unter Beweis zu stellen, übt sich Wilhelm fortan in der Kunst des Schießens, erweist sich darin aber als vollkommen untalentiert. Auftritt Stelzfuß. Jene Teufels-Inkarnation schenkt dem glücklosen Schützen kleine silberne Kugeln, die plötzlich ins Ziel treffen. Doch bald schon zeigt Stelzfuß sein wahres Gesicht.

Kooperations-Premiere

Der „Black Rider“ ist nicht nur eine von vielen Theaterenthusiasten freudig begrüßte Inszenierung im Dresdner Theatergeschehen. Es ist auch die erste große Kooperation beider Häuser in der großen Theater-WG Kraftwerk Mitte. Auf der Bühne agieren die tjg-Schauspielerinnen und Schauspieler gemeinsam mit den Sängerinnen und Sängern der Staatsoperette. Musikerinnen und Musiker der Staatsoperette spielen im Graben und mit Jos van Kan inszeniert ein Regisseur das Stück, der sowohl im Kinder- und Jugendtheater als auch im Musiktheater zu Hause ist.

The Black Rider. The Casting of the Magic Bullets

Wiederaufführung im September
tjg. theater junge generation
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