Kunstgenuss auf Italienisch

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden laden zu einer inspirierenden Reise durch die italienische Kunst.
Von Correggios leuchtenden Gemälden über neu entdeckte Renaissance-Zeichnungen bis zu farbintensiven Landschaften und Pinocchios Abenteuern: Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden laden zu einer inspirierenden Reise durch die Vielfalt italienischer Kunst ein – und machen Dresden zum Treffpunkt für Italiensehnsucht und Kunstgenuss.
Kaum eine andere Stadt nördlich der Alpen atmet so viel italienischen Geist wie Dresden. Die sächsische Residenzstadt verdankt ihren Glanz nicht zuletzt dem jahrhundertelangen Austausch mit Italien: Schon früh ließen sich die Kurfürsten von der Kunst und Architektur des Südens begeistern, holten Maler, Bildhauer und Baumeister an die Elbe und prägten so das Stadtbild nachhaltig. Die barocken Fassaden, die musikalischen Traditionen und nicht zuletzt die weltberühmten Kunstsammlungen erzählen von einer Liaison, die bis heute lebendig ist. Der Beiname „Elbflorenz“, das Italienische Dörfchen am Theaterplatz und die Städtepartnerschaft mit Florenz sind sichtbare Zeichen dieser kulturellen Symbiose. In diesem Herbst feiern die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden diese besondere Beziehung in verschiedenen Institutionen mit einem Ausstellungsreigen, der die italienische Kunst in all ihren Facetten würdigt.
Gemäldegalerie Alte Meister: Correggio – Berührend menschlich
Im Herzen des Dresdner Zwingers entfaltet sich in diesem Herbst ein außergewöhnliches Panorama der italienischen Hochrenaissance: Die Gemäldegalerie Alte Meister widmet Antonio Allegri, besser bekannt als Correggio, eine umfassende Sonderausstellung – die erste ihrer Art außerhalb Italiens. Correggio, dessen Werke durch eine meisterhafte Lichtregie und eine berührende Sinnlichkeit bestechen, zählt zu den großen Innovatoren seiner Epoche. Seine Gemälde, darunter die berühmte „Heilige Nacht“, die lange als das bedeutendste Bild Europas galt, sind Paradebeispiele für die Verschmelzung von Spiritualität und menschlicher Nähe.

© Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden,
Foto: Laura Princzess, Steffi Bodechtel, Jacob Franke
Die Dresdner Sammlung besitzt einen weltweit einzigartigen Bestand an Correggios Werken, der durch die jüngst restaurierte „Madonna des heiligen Sebastian“ nun in neuem Glanz erstrahlt. Über 100 Exponate, darunter hochkarätige Leihgaben aus dem Prado, dem Louvre, den Uffizien und der National Gallery in London, lassen die künstlerische Entwicklung Correggios lebendig werden. Seine Fähigkeit, Licht und Schatten zu orchestrieren, verleiht den Figuren eine fast greifbare Präsenz – ein Stil, der nicht nur Zeitgenossen wie Parmigianino und Rubens, sondern auch Generationen von Künstlern nach ihm inspirierte. Die Ausstellung lädt dazu ein, Correggio als einen der großen Erzähler der italienischen Renaissance neu zu entdecken und seine Werke im Kontext der europäischen Kunstgeschichte zu würdigen.
„Correggio. Berührend menschlich“
Ausstellung bis 10. Januar 2027
Zwinger, Gemäldegalerie Alte Meister, Semperbau
Kupferstich-Kabinett: Unbekanntes aus Italien – Zeichnungen des 16. Jahrhunderts
Ein stilles, aber umso faszinierenderes Kapitel italienischer Kunstgeschichte öffnet sich im Studiolo des Residenzschlosses. Hier rückt das Kupferstich-Kabinett mit der Ausstellung „Unbekanntes aus Italien“ jene Schätze ins Licht, die bislang im Verborgenen schlummerten: italienische Zeichnungen des 16. Jahrhunderts, die im Rahmen eines internationalen Forschungsprojekts erstmals systematisch erschlossen wurden. Über 700 Blätter wurden von einem Team aus 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern neu bewertet, katalogisiert und in ihrer kunsthistorischen Bedeutung eingeordnet. Die Ausstellung präsentiert eine Auswahl von 25 dieser Entdeckungen – jedes Blatt ein Fenster in die Werkstatt der Renaissance.

Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Andreas Diesend
Zu den Höhepunkten zählt die doppelseitige Zeichnung „Der Heilige Andreas mit dem Kreuz“ von Parmigianino, die bislang nie öffentlich gezeigt wurde. Ebenso spektakulär ist die Rekonstruktion einer fragmentierten Zeichnung, die als Vorarbeit für ein Altarbild von Dirck Hendricksz, genannt Teodoro d’Errico, identifiziert werden konnte. Auch weniger bekannte Künstler wie Giovanni Francesco Bezzi, genannt Nosadella, treten mit temperamentvollen Federstrichen ins Rampenlicht. Die Ausstellung macht deutlich, wie lebendig und vielschichtig die Zeichnungsforschung heute ist: Neue Zuschreibungen, entschlüsselte Bildthemen und überraschende Zusammenhänge eröffnen einen frischen Blick auf die italie-nische Kunst des 16. Jahrhunderts. Ein digitaler Bestandskatalog und die Online-Collection der SKD machen diese Schätze zudem dauerhaft zugänglich – ein Gewinn für Forschung und Publikum gleichermaßen.
„Unbekanntes aus Italien.
Zeichnungen des 16. Jahrhunderts neu erforscht“
Ausstellung bis 03. Januar 2027,
Residenzschloss, Studiolo, Renaissanceflügel

Albertinum: Italien in Farbe – Landschaftsbilder des späten 19. Jahrhunderts
Im Albertinum entfaltet sich Italien als Sehnsuchts- und Inspirationsort in leuchtenden Farben. Die Ausstellung „Italien in Farbe“ widmet sich den Landschaftsbildern des späten 19. Jahrhunderts und zeigt, wie Künstler aus dem Norden das Land südlich der Alpen mit neuen Augen sahen. Nicht mehr nur heroische oder idyllische Szenerien bestimmten das Bild, sondern auch unspektakuläre, alltägliche Ansichten rückten in den Fokus – stets mit dem Anspruch, das „wirkliche“ Italien einzufangen.
Die Gemälde von Rudolf Schuster, Albert Rieger, Adolph Menzel und Franz Richard Unterberger spiegeln die Vielfalt der künstlerischen Zugänge: Von der reduzierten Weite der römischen Campagna über stimmungsvolle venezianische Abende bis hin zum rauen Realismus einer Piazza in Verona. Zwischen Spätromantik und Realismus eröffnet sich ein Panorama, das Italien als facettenreichen Lebensraum zeigt – voller Licht, Atmosphäre und malerischer Nuancen. In einer Zeit, in der die Fotografie aufkam, bewahrte die Malerei ihre besondere Kraft: Sie ließ das Publikum Italien in all seiner farbigen Fülle erleben und schuf Bilder, die bis heute als Inbegriff südlicher Lebenslust gelten.
Focus Albertinum
„Italien in Farbe. Landschaftsbilder des späten 19. Jahrhunderts“
Ausstellung bis bis 06. Juni 2027 im Albertinu

Puppentheatersammlung: Pinocchios Abenteuer auf der Bühne
Ein ganz eigener Zauber italienischer Kultur entfaltet sich in der Puppentheatersammlung im Kraftwerk Mitte. Hier steht mit „Pinocchios Abenteuer auf der Puppenbühne“ eine der bekanntesten Figuren der italienischen Literatur im Mittelpunkt. Die Geschichte des hölzernen Jungen, der eigentlich am Galgen enden sollte, aber dank der Empörung seiner jungen Leser ein glücklicheres Schicksal fand, ist längst zum Welterfolg geworden. Anlässlich des 200. Geburtstags von Carlo Collodi, dem Schöpfer Pinocchios, präsentiert die Ausstellung eine bunte Vielfalt an Puppen, Bühnenbildern und Materialien rund um den naiven, gutmütigen und manchmal allzu leichtsinnigen Helden.
Die Inszenierungen zeigen, wie Pinocchio über Generationen hinweg Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistert hat – als Symbol für Neugier, Abenteuerlust und die Kraft der Fantasie. So schlägt die Puppentheatersammlung eine Brücke von der italienischen Literatur zur lebendigen Theatertradition in Dresden und lädt dazu ein, Pinocchio und seine Abenteuer auf ganz neue Weise zu entdecken.
Näher hingesehen: Pinocchios Abenteuer auf der Puppenbühne
Ausstellung bis 03. Januar 2027
Puppentheatersammlung, Kraftwerk Mitte
Redaktion: Jörg Fehlisch

