Über den Wolken
Emilio Fornieles widmet den Meißner Luftfahrtpionierinnen Margarete und Elsbeth Große ein außergewöhnliches Gemälde.
Mit seinem neuen Werk „Über den Wolken“ verbindet der in Meißen lebende spanisch-andalusische Künstler Emilio Fornieles lokale Geschichte, künstlerische Fantasie und gesellschaftliche Erinnerung zu einer eindrucksvollen Hommage an zwei außergewöhnliche Frauen der Stadtgeschichte. Das Gemälde erzählt von Neugier, Entdeckergeist und dem Wunsch, Grenzen zu überwinden – geografische ebenso wie gesellschaftliche. Es erinnert daran, dass Fortschritt oft dort beginnt, wo Menschen bereit sind, den Boden des Gewohnten zu verlassen.

Wer den Blick über Meißen schweifen lässt, kann Geschichte überall entdecken. Die Türme, Gassen und Dächer der Stadt erzählen von Jahrhunderten europäischer Kultur. Im Gemälde „Über den Wolken“ des Künstlers Emilio Fornieles wird die Stadt zur Bühne einer poetischen Begegnung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Wirklichkeit und Vision. Über den Dächern schweben Wasserstoffballons (Charlières) durch den Himmel. Im Vordergrund trägt einer von ihnen die Porträts zweier bemerkenswertester Luftfahrt- und Alpinpionierinnen ihrer Zeit: Margarete und Elsbeth Große. Die Schwestern bestiegen zu Beginn des 20. Jahrhunderts Ballone, überquerten Gebirge und bezwangen Gipfel, die damals als Domäne männlicher Abenteurer galten. Ihre Fahrten waren mehr als sportliche Leistungen. Sie waren Ausdruck eines unbändigen Freiheitswillens, der gesellschaftliche Grenzen infrage stellte und den Handlungsspielraum von Frauen komplett neu definierte.

Der Künstler entwickelt eine allegorische Bildsprache, in der die Ballons zu Symbolen des Aufbruchs werden. Über den Dächern der ältesten Stadt Sachsens schweben sie wie Gedanken, Erinnerungen oder Träume. Dabei spielt Fornieles bewusst mit der Zeit. Auf den ersten Blick scheint die Szene aus einer vergangenen Epoche zu stammen. Erst bei genauerem Hinsehen entdeckt man auf einem Dach im Vordergrund eine moderne Satellitenantenne. Dieses kleine Detail durchbricht die historische Illusion und macht den gewollten Anachronismus sichtbar. Vergangenheit und Gegenwart existieren nebeneinander. Die Pionierinnen von einst begegnen einer Welt, deren technische Möglichkeiten sie sich kaum hätten vorstellen können – und doch wirkt ihr Mut erstaunlich zeitlos.
Zwei Tage Masterclass „Vom Chaos zur Ordnung“
Emilio Fornieles, der seit 2022 in Meißen lebt, ist für seine expressive Bildsprache bekannt, in der Realität und Emotion zu einer eigenen visuellen Erzählung verschmelzen. Seine Werke befinden sich in internationalen Sammlungen, von Spanien bis Deutschland. Wer sich für die Arbeitsweise des Künstlers interessiert, kann ihr sogar unmittelbar begegnen. In seiner Masterclass „Vom Chaos zur Ordnung“ öffnet Emilio Fornieles sein Atelier unterhalb der Albrechtsburg. Dort vermittelt er nicht nur Techniken des figurativen Expressionismus, sondern auch jene Haltung, die seinem Werk zugrunde liegt: den Mut, aus dem Ungewissen etwas Neues entstehen zu lassen. Vielleicht hätten Margarete und Elsbeth Große genau diesen Gedanken verstanden. Schließlich waren auch ihre Ballonfahrten einst nichts anderes als ein Aufbruch ins Unbekannte – hoch über den Wolken.
RESERVIERUNGEN unter info@atelierluft.de I www.atelierluft.de
Redaktion: Sabine Dittrich


