Handwerk mit Zuversicht: „Wir können alles, was kommt.“

Dr. Andreas Brzezinski (links) und Jörg Dittrich, Hauptgeschäftsführer und Präsident der Handwerkskammer Dresden / Foto: © André Wirsig
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Das Handwerk blickt auf ein bewegtes Jahr 2025 zurück und geht optimistisch in die Zukunft. Jörg Dittrich und Dr. Andreas Brzezinski, Präsident bzw. Hauptgeschäfts­führer der Handwerkskammer Dresden, sprechen über Herausforderungen, Erfolge und ihre Vision für das Hand­werk in der Region.

Top: Wenn Sie auf 2025 zurückblicken – was hat das Jahr besonders geprägt?
Jörg Dittrich: Wir könnten jetzt über die Ukraine, Bundespolitik oder die angespannte wirtschaftliche Lage sprechen. Aber ich möchte lieber auf das schauen, was wir in der Region bewegen können. Die Brückenproblematik in Bad Schandau und bei der Carolabrücke hat uns beschäftigt, ebenso die Corona-Hilfe-Rückforderungen und die Haushaltsverhandlungen beim Meisterbonus. Trotzdem versuchen wir aus tiefer Überzeugung, einen optimistischen Blick zu bewahren. Der Bundeskanzler war im Oktober bei uns in njumii zu Besuch und hat sich angehört, was dem Handwerk auf dem Herzen liegt. Dieser Dialog ist wichtig – wir müssen miteinander reden und um Veränderungen ringen.
Dr. Andreas Brzezinski: Positiv hervorzuheben ist das Thema Nachwuchsgewinnung. Die Neueinstellungen bei Auszubilden­den liegen mit 2.282 neuen Lehrverträgen rund sechs Prozent über dem Vorjahr. Das ist der höchste Oktoberstand der vergangenen zehn Jahre. Das zeigt, dass das Handwerk als attraktiv wahrgenommen wird und junge Menschen anspricht, die nachhaltig arbeiten wollen. Bei der Meisterfeier im November hatten wir 325 neue Meisterinnen und Meister. Auch unsere Karika­turenausstellung „Das ist der Hammer! Handwerk trifft KI“ war ein voller Erfolg.

Top: Welche Schwerpunkte setzen Sie für 2026?
Jörg Dittrich: Die demografische Entwicklung bleibt unser Kernthema. Wir müssen in allen Bereichen ansetzen: Bei Schülern, die keine ausreichenden Grundkompetenzen haben, bei Zuwanderung, bei der Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung. Das Handwerk ist eine Gesellschafts­gruppe, keine Partei. Es geht darum, beisammen zu bleiben, Diskussionen auszuhalten und gemeinsam Lösungen zu finden. Und wir brauchen wirtschaftliches Wachstum, weil es fundamental für alles andere ist.
Dr. Andreas Brzezinski: Technologie und Modernisierung sind Schlüsselthemen. Robotik kann das Handwerk entlasten – ob den Gebäudereiniger oder beim Transport schwerer Lasten. Wir entwickeln gerade KI-Lösungen, die Gewerbeanmeldungen auslesen oder einen Chatbot für Bildungsfragen. Das läuft unter der Überschrift „Mehr Zeit fürs Handwerk“. Im April starten wir zudem ein Bootcamp für angehende Unternehmer in der Lausitz – ein völlig neues Format zur Unterstützung von Betriebs­über­gaben.

Mit dem Slogan „Wer gute Dinge macht, kann guter Dinge sein.“ warb die bundesweite Imagekampagne des Handwerks 2025 auch in Dresden / Foto: © Werbeagentur Haas/Handwerkskammer Dresden.

Top: Wie entwickelt sich die duale Ausbildung und welche Herausforderungen sehen Sie?
Dr. Andreas Brzezinski: Die Zahlen sind erfreulich. Wir bilden in mehr als 80 Berufen aus – vom Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bis zum Zweiradmechatroniker. Die beliebtesten Berufe sind Kraftfahrzeugmechatroniker mit 359 neuen Lehrverträgen, gefolgt von Anlagenmechanikern für SHK und Elektronikern. Wichtig sind Praktika und Ferienjobs, damit junge Menschen sich ausprobieren können. In unseren Online-Börsen haben wir weiterhin freie Lehrstellen, aber auch Praktikums- und Ferienjobangebote.
Jörg Dittrich: Die Ausbildungsvergütungen sind heute sehr attraktiv: Bäcker-Azubis starten mit 1.020 Euro im ersten Lehrjahr. Das ermöglicht selbstbestimmtes Leben vom ersten Tag an.

Top: Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um junge Menschen für das Handwerk zu begeistern?
Dr. Andreas Brzezinski: Wir setzen auf einen breiten Marketing-Mix, der auf Social Media, Sponsoring, Events wie das Break-the-Rules-Festival in der Lausitz, dazu Radiospots, Google-Anzeigen und Snapchat-Werbung setzt. Unsere Kampagne #EchtHand­werk mit Videos von echten Azubis hatte über 1,1 Millionen Direktaufrufe. Dazu kommen persönliche Beratungen durch unsere Ausbildungsberater, Teilnahme an Karrieremessen wie der KarriereStart Ende Januar und Projekte wie der Junior­meister in Kooperation mit Dresden.

Top: Wie wirkt denn die bundesweite Imagekampagne des Hand­werks?
Jörg Dittrich: Darauf sind wir sehr stolz. Die Kampagne wurde vom gesamten deutschen Handwerk einstimmig beschlossen und aus eigenen Beitragsgeldern finanziert. Der Slogan „Wir können alles, was kommt“ vermittelt Zuversicht. 2026 geht es verstärkt um „Karriere mit Gefühl“ – das soziale Miteinander, das Teamgefühl, der menschliche Kontakt. Eine neue Social-Media-Serie „Zart & Hart“ und die App „Handwerk Heros“ zur Berufsorientierung kommen im Laufe des Jahres.

Top: Was wünschen Sie sich für 2026?
Jörg Dittrich: Wirtschaftswachstum und Maßnahmen, die uns aus der Seitwärtsbewegung bringen. Eine Reform der sozialen Sicherungssysteme, die Handwerksleistungen bezahlbar hält. Und dass Freiheit und Eigenverantwortung wieder gestärkt werden, auch wenn das Unsicherheit bedeutet.
Dr. Andreas Brzezinski: Dass wir uns auf unsere Stärken besinnen: Qualifikation, Stabilität, weltweite Einsatzfähigkeit unserer Handwerker. Wir müssen die Aufgeregtheit aus der Gesellschaft nehmen und gerade jungen Menschen Sicherheit und Zuver­sicht vermitteln. Wir leben in einer guten Zeit mit der Kraft zum Umsteuern.

www.hwk-dresden.de

Interview: Katrin Schindler

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