Sommertheater-Special: Mimenspiel im Freien

Sommertheater der Comödie im Innenhof des benachbarten Hotel Elbflorenz, Foto: © Robert Jentzsch - www.rjphoto.de
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In den heißen Monaten des Jahres tendiert das Verlangen auf den Besuch eines Theatersaals selbst bei ausgewiesenen Freunden der Schauspielkunst gen Null. Um dieser Unlust zu begegnen, setzen viele Spielstätten auf die immer populäreren Sommertheater.

Die Freitheaterkultur wird in der Region Dresden/Ostsachsen glücklicherweise besonders intensiv betrieben. Zahlreiche sächsische Bühnen negieren einfach die Sommerpause und überbrücken die Sauregurkenzeit mit Produktionen, die mal dramatisch, häufig aber lustig daherkommen. Der leichten Muse lässt es sich mit einem erfrischenden Lüftchen um die Nase eben besonders entspannt huldigen. Und gerade die jungen Besucher haben viel Spaß beim Theater unter freiem Himmel. Dabei lohnt es sich durchaus auch, eine etwas weitere An fahrts strecke in Kauf zu nehmen, denn zum Theatergenuss kommt ja noch der Reiz der Land schaften, die die oftmals äußert attraktiven Naturbühnen umgeben. Zudem sollte man nicht nur auf die großen Zugpferde setzen. Auch viele Laienbühnen präsentieren spannende Stücke, indem sie die schauspielerische Expertise mit Herzblut für die Sache paaren. Das Top Magazin Dresden gibt allen Theaterfreunden einen Überblick.

Sommertheater Dresden
Der Klassiker unter den Freiluftbühnen in der Landeshauptstadt ist seit inzwischen 14 Jahren das Sommertheater im Bärenzwinger. Dank der Überdachung spielt das Ensemble der Kammerspiele Dresden zwar unter freiem Himmel, ist aber doch vor Regen geschützt. Sage und schreibe 42 Aufführungen in nur 7 ½ Wochen zieht die Truppe um Regisseur und Autor Peter Förster durch. In diesem Jahr hat sich der Impresario ein Stück ausgedacht, das nach Ägypten entführt. „Cleopatras Liebhaber – Ein Shakespeare vom Nil“ bietet dennoch Elisabethanisches Theater vom Feinsten, spannend, erotisch und geistreich kredenzt.

„Cleopatras Liebhaber – Ein Shakespeare vom Nil“
vom 7. Juli bis 17. August
Bärenzwinger Dresden
www.sommertheater-dresden.de

St. Pauli Ruine
Auch die St. Pauli Ruine ist streng genommen kein Frischlufttheater im klassischen Sinne. Das 2012 eröffnete Glasflachdach bietet dafür aber eine lange Sommerspielzeit von April bis Oktober. Im Ensemble spielen Laienschauspieler, die hier wie dort von professionellen Schauspielern
unterstützt werden. Die Saison 2017 steht in der St. Pauli Ruine unter dem Motto „Sommer der Liebe“. Gekrönt wird das Programm dabei von den Shakespeare-Inszenierungen „Der Widerspenstigen Zähmung“ und „Der Sommernachtstraum“. Auch die schon bekannte Goethe-Parodie „Faust rockt“, Stefan Zweigs Bearbeitung der Erbschleicher-Komödie „Volpone“ sowie das Nibelungenmusical „Siegfried“ kommen unter anderem zur Aufführung. Zudem gibt es etliche Gastveranstaltungen in konzertantem Rahmen.

verschiedene Stücke
von April bis Oktober
St. Pauli Ruine
www.pauliruine.de

Societaetstheater
Auch das feine Societaetstheater leistet sich eine Sommerbühne, auf der 2017 Bodecker & Neander brillieren wollen. Als Garant für pointierten Humor ganz ohne Worte bestellen die beiden Mimen den Garten für ein Sommertheater unter freiem Himmel. In ihren „Garten Eden“ suchen und finden die beiden tragikomischen Figuren dem Vernehmen nach die absolute Harmonie. Versprochen wird fulminantes Bildertheater voller Magie, Humor, optischen Illusionen,Emotionen und Musik. Immerhin haben die beiden Pant omime-Profis mit einem Händchen für Illusionskunst bei Altmeister Marcel Marceau in Frankreich studiert. Sie wurden seine Partner und sind mit ihm auf Welttour gegangen, bevor sie sich als eigene Compagnie in Deutschland mit ihrer unverwechselbaren Bühnensprache niederließen.

„Der Garten Eden“
30. Juni bis 16. Juli
Garten des Societätstheaters
www.societaetstheater.de

Comödie
Etwas zotiger geht es bei der Comödie zu, die für ihr Freiluftvergnügen in den Innenhof des benachbarten Hotels Elbflorenz zieht. Zurück in die neunziger Jahre geht es bei „Eis Eis Baby – Sommer, Songs & Sonnenstich“, ins Jahrzehnt also, in dem aus Raider Twix wurde und Take That, Ace of Base oder gar Blümchen aus den Boxen der Walkmankopfhörer dröhnten. Der Plot dreht sich um Jessica aus Bautzen, ihren Freund Ronny und die feierfreudige Lucy, die mit allen Mitteln den Traum von der eigenen Eisdiele wahr werden lassen wollen. Spätestens jetzt sollte deutlich geworden sein: Fremdschämen hat bei „Eis Eis Baby“ Methode.

„Eis Eis Baby – Sommer, Songs & Sonnenstich“ ,
1. Juli bis 19. August
Innenhof des Hotels Elbflorenz
www.comoedie-dresden.de

Felsenbühne Rathen
Familienfreundlich präsentiert sich die Felsenbühne Rathen auch 2017. Das Märchen „Die Goldene Gans oder was wirklich kleben bleibt“ feierte bereits Premiere, während das Tanzstück „Momo“ frei nach dem Roman von Michael Ende am 23., 25. und 27. Juli gespielt wird. Ein Highlight dürfte auch das Familienmusical „Die Sonne“ werden, das sich Motive aus Reinhard Lakomys Traumzauberbaum leiht. Gesetz ist zudem: keine Felsenbühne ohne Karl May. Und so darf Winnetou mit seinem Blutsbruder Old Shatterhand auch 2017 wieder über die Bühne reiten, diesmal in „Winnetou I“. Nicht fehlen darf auch Carl Maria von Webers „Freischütz“ im
Programm der Felsenbühne.

verschiedene Stücke
noch bis 27. August
Felsenbühne Rathen
www.landesbuehnen-sachsen.de

Klosterhof Zittau
Im Klosterhof Zittau steht „Der Pavillon”, eine Kriminalkomödie von Alec Coppel im Mittelpunkt des Geschehens. Hauptfigur Elliot Nash hat finanzielle Probleme und wird nun auch noch von dem Ganoven Harry Shelby erpresst. Für den erfahrenen Krimi autor steht fest: Der Erpresser muss aus dem Weg geräumt werden. Die Tatsache, dass seine Frau Nell gerade einen neuen Garten-Pavillon bestellt hat, scheint für Elliot eine glückliche Fügung zu sein, denn das frisch ausgehobene Fundament für den Pavillon ist der perfekte Ort, um eine Leiche zu verbuddeln. Wem dieser Plot bekannt vorkommt, der kennt wahrscheinlich den Film „Hasch mich, ich bin der
Mörder“ mit Louis de Funès in der Hauptrolle.

„Der Pavillon“
noch bis 11. August
Klosterhof Zittau
www.g-h-t.de

„Die 39 Stufen“ Kriminalkomödie von John Buchan und Alfred Hitchcock | Bühnenbearbeitung von Patrick Barlow. Regie: Dorotty Szalma. Foto: Pawel Sosnowski

Bautzner Theatersommer
Beim Bautzner Theatersommer im Hof der Ortenburg nimmt man sich in diesem Jahr den Eskapaden der Olsenbande an. Der Deutschen Lieblingsdänen planen einen Millionencoup,
aber wie immer kommt irgendwas dazwischen. Oder irgendwer. In diesem Fall der von Benny nonchalant als „Dummes Schwein“ bezeichnete Verbrecher oder miese Geschäftsleute vom Schlage eines Bang-Johansen. Irgendwann landet Egon natürlich im Knast und schmiedet Pläne. Intendant Lutz Hillmann bedient sich für diese Bühnenfassung wieder aus dem Reservoir aller Olsenbandenfilme und greift auf die DEFA-Synchronfassung der Dialoge zurück.

„Die Olsenbande wandert aus“
noch bis 16. Juli
Ortenburg, Bautzen
www.theater-bautzen.de

Waldbühne Jonsdorf
Mit dem Pascher Friedel können Menschen jenseits der Oberlausitz wahrscheinlich wenig anfangen. Dabei machte der Schmugglerhauptmann mit seiner Truppe einst die ganze Region unsicher. Auf der Waldbühne Jonsdorf nimmt man sich nun das Leben der Figur vor. Verantwortlich für die Legendenbildung zeichnet sich das Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau, das die bis zu 1000 Zuschauer in Jonsdorf nicht nur unterhalten, sondern auch über die Historie der eigenen Region unterrichten will. Die malerische Bühne inmitten des Zittauer Gebirges ist in jedem Fall eine Reise wert, durchaus auch für Besucher von auswärts.

„Der König der Schmuggler – Das Geheimnis des Pascherfriedel“
noch bis 13. August
Waldbühne Jonsdorf
www.g-h-t.de

Naturbühne Maxen
Einen festen Platz im Sommertheatergeschehen in Dresden und Umgebung hat auch die Naturbühne Maxen. Neben diversen Gastspielen sorgt hier die ortsansässige Laienschauspielgruppe jedes Jahr für leuchtende Kinderaugen und schmunzelndes Erwachsenengrinsen. Die Kleinen dürfen sich auf den „Räuber Hotzenplotz“ freuen, dessen Erlebnisse im Rahmen einer Kasperlegeschichte nachgezeichnet werden. Beim „Sommernachts-Traum(a)“ hingegen streiten und lieben sich nicht nur Elfen, Kobolde und deren Königinnen,
sondern auch der Athener Hochadel. Shake speare hätte an guten Tagen sicher seine Freude gehabt.

Verschiedene Stücke
Naturbühne Maxen
noch bis 10. September
www.naturbühne-maxen.de

Görlitzer Sommertheater
In der Neißestadt hat das Freilufttheater im letzten Jahr eine Zufluchtsstätte im Stadthallengarten Görlitz gefunden. Gezeigt wird hier die Operette „Frau Luna“ aus der Feder des berühmten Berliner Komponisten Paul Lincke. Operettenfans dürfen sich auf Darbietungen der Hits „Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe“, „O Theophil!“, „Lasst den Kopf nicht hängen“ und natürlich der weltberühmten „Berliner Luft“ freuen. Daneben kommt die vergnügliche Kriminalkomödie
„Die 39 Stufen“ von John Buchan Aufführung. Ein Stoff, der schon Spannungs-Experte Alfred Hitchcock zu einem Film inspirierte.

„Frau Luna“ und „Die 39 Stufen“
bis 16. Juli
Stadthallengarten Görlitz
www.g-h-t.de

Text: Philipp Demankowski

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