Masken, Melodien und Metamorphosen

Die Semperoper startet mit Verdis Maskenball, Raschs Zeitzeugnis und einem internationalen Ballettabend in eine Spielzeit voller künstlerischer Vielfalt.
In der kommenden Spielzeit beweist das Dresdner Opernhaus erneut seine Strahlkraft als Ort künstlerischer Vielfalt: Drei Premieren, die unterschiedlicher kaum sein könnten, laden dazu ein, Musik, Tanz und Zeitgeschichte neu zu entdecken.
Verdis Maskenball – Liebe, Verrat und Schicksal
Mit Giuseppe Verdis „Un ballo in maschera“ erwartet das Publikum ein Werk, das die Grenzen zwischen Heiterkeit und Tragik kunstvoll verwischt. Im Zentrum steht der Gouverneur Riccardo, dessen Leben von Loyalität und Verrat, von Liebe und tödlicher Eifersucht bestimmt wird. Die Handlung entfaltet sich wie ein raffiniertes Geflecht aus Intrigen: Riccardo liebt heimlich Amelia, die Frau seines engsten Vertrauten Renato. Als Renato von dieser verbotenen Leidenschaft erfährt, kippt die Freundschaft in erbitterte Feindschaft – und der Maskenball wird zum Schauplatz eines tödlichen Dramas.
Verdi gelingt es, die seelischen Abgründe seiner Figuren in eine Musik zu gießen, die von schillernder Leichtigkeit bis zu düsterer Dramatik reicht. Schon der erste Takt zieht das Publikum in einen Strudel aus Leidenschaft und Gefahr, in dem das Schicksal unaufhaltsam seinen Lauf nimmt. Die Prophezeiung der Wahrsagerin Ulrica, Riccardo werde durch die Hand eines Freundes sterben, schwebt wie ein dunkler Schatten über dem Geschehen und verleiht der Oper eine beklemmende Spannung.
Die musikalische Leitung übernimmt erneut Chefdirigent Daniele Gatti, der nach seinem gefeierten „Falstaff“ die farbenreiche Partitur mit der Sächsischen Staatskapelle zum Leuchten bringen wird. Für besondere Spannung sorgt zudem das Regiedebüt von Angela Denoke an der Semperoper: Die international gefeierte Sängerin und Regisseurin inszeniert diesen Tanz zwischen Liebe und Loyalität mit feinem Gespür für die psychologischen Nuancen der Figuren. So wird Verdis Maskenball in Dresden zu einem Fest der großen Gefühle – und zu einem Spiegel menschlicher Abgründe.
Premiere am So., 04. Oktober 2026, 17 Uhr, Semperoper Dresden
Zeitzeugnis in Tönen – „Die wunderbaren Jahre“
Mit der Kammeroper „Die wunderbaren Jahre“ bringt Torsten Rasch ein Stück jüngerer deutscher Geschichte auf die Bühne. Basierend auf Reiner Kunzes gleichnamigem Buch, das 1977 zur Ausbürgerung des Autors aus der DDR führte, entfaltet sich ein vielschichtiges musikalisches Porträt vom Aufwachsen zwischen Anpassung, Zweifel und dem Streben nach Freiheit. Rasch verwebt Kunzes Erzählungen mit Volksliedern und schafft so ein eindringliches Zeitzeugnis, das berührt und nachdenklich stimmt.
Premiere am Fr., 16. Oktober 2026, 19 Uhr, Semper Zwei
Tanz als Weltsprache – „Different Grounds“
Mit „Different Grounds“ öffnet die Semperoper ihre Bühne für einen Ballettabend, der die Vielfalt des zeitgenössischen Tanzes feiert. Drei Choreograf*innen, drei Kontinente, drei Handschriften: Stephanie Lake aus Australien, Shahar Binyamini aus Israel und Julian Nicosia aus Frankreich bringen ihre individuellen Perspektiven in drei Uraufführungen ein. Lakes Arbeiten sind geprägt von Dynamik und feinem Humor, Binyamini setzt auf organische, intuitive Bewegungen, die das innere Erleben der Tänzerinnen sichtbar machen, während Nicosia mit neoklassischer Eleganz und zeitgenössischer Experimentierfreude die Grenzen des klassischen Balletts auslotet. Das Zusammenspiel dieser choreografischen Sprachen verspricht einen Abend voller Überraschungen, der neue Horizonte eröffnet – für das Ensemble wie für das Publikum.
Premiere am Sa., 31. Oktober 2026, 18 Uhr, Semperoper
Semperoper Dresden
Theaterplatz 2, 01067 Dresden
Spielplan und Tickets unter www.semperoper.de
Redaktion: Jörg Fehlisch

