Nachbarschaften im Dialog

Angelina Seibert, My house (our house), 2026 - Videostill | Foto: © Angelina Seibert
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Das Hegenbarth-Stipendium 2025 bringt mit Martin Bertelmann und Angelina Seibert zwei junge künstlerische Positionen in der Städtischen Galerie Dres­den zusammen – und öffnet neue Perspektiven auf Privates, Öffentlichkeit und gesellschaftliche Räume.

Seit beinahe drei Jahrzehnten ist das Hegenbarth-Sti­pen­dium ein verlässlicher Wegbereiter für junge Künstlerinnen und Künstler in Dresden. Die enge Zusammenarbeit zwischen der Hochschule für Bildende Künste Dresden, der Städtischen Galerie Dresden und der Dresdner Stiftung Kunst & Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden hat ein Fördermodell ge­schaffen, das weit über finanzielle Unterstützung hinausgeht. Die diesjährige Ausstellung ist das Ergebnis dieser fruchtbaren Allianz und macht eindrucksvoll sichtbar, wie nachhaltige Förderung künstlerische Entwicklung und gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht.

Dialog im Projektraum

Mit der Ausstellung „Won’t you be my neighbor?“ treten An­ge­lina Seibert und Martin Bertelmann erstmals in einen bewuss­ten künstlerischen Dialog. Im Projektraum der Städtischen Ga­lerie Dresden begegnen sich ihre Werke nicht nur räumlich, sondern auch konzeptuell. Die Nachbarschaft im Ausstellungs­raum wird zum Sinnbild für das Aufeinander­treffen unterschiedlicher Perspektiven: Landschaft, Fassade und die feinen sozialen Einschreibungen, die sich darin spiegeln, stehen im Mittel­punkt. Die Ausstellung macht die Er­geb­nisse einer intensiven Arbeitsphase sichtbar und bringt die Förderung unmittelbar in die Öffentlichkeit – ein lebendiges Beispiel für die Relevanz künstlerischer Auseinandersetzung im urbanen Kontext.

Angelina Seibert: Privates, Öffentlichkeit und multimediale Reflexion

Angelina Seibert lotet in ihren Arbeiten die fragile Grenze zwischen privatem und öffentlichem Raum aus. Für die Aus­stel­lung hat sie eine multimediale Installation entwickelt, die die zunehmende Sichtbarkeit des Privaten im Zeitalter digitaler Technologien thematisiert. Handlungen wie Ordnen und Rei­nigen verschmelzen mit persönlichen Bildern und historischen Referenzen zu einer vielschichtigen Erzählung über Intimität und Verletzlichkeit. Seiberts künstlerischer Ansatz ist geprägt von subtiler Ironie und der Fähigkeit, das Alltägliche ins Ab­surde zu steigern. Ihr eigener Körper wird dabei immer wieder zum Schauplatz widersprüchlicher Geschichten, die gesellschaftliche Rollenbilder und individuelle Erfahrungen reflektieren. Die Künstlerin, deren Werk von ihrer Rolle als dreifache Mutter beeinflusst ist, schafft es, das Persönliche mit dem Uni­versellen zu verbinden und so neue Perspektiven auf die Auf­lösung von Grenzen in einer vernetzten Welt zu eröffnen.

Martin Bertelmann, O.T. (Spinne), 2025, Fotogramm, Handabzug, Stahl, Glas 32 x 42 cm | Foto: © Martin Bertelmann
Martin Bertelmann: Landschaft, Archiv und Wahrnehmung

Martin Bertelmanns künstlerische Handschrift ist geprägt von einer feinsinnigen Beobachtungsgabe und einer tiefen Aus­einandersetzung mit Landschaft und Umwelt. In der Aus­stel­lung präsentiert er analoge Fotografien, die Teil eines stetig wachsenden Archivs alltäglicher Eindrücke sind. Seine Schwarz-Weiß-Aufnahmen erzählen von den leisen Spuren mensch­licher Präsenz in der Natur – subtil, ohne den Men­schen selbst zu zeigen. Ergänzt wird dieses fotografische Werk durch eine Video-Installation, die die Besucher aktiv einbindet und sie selbst zu Akteuren im Spannungsfeld zwischen dokumentierter Realität und digital erzeugtem Raum werden lässt. So entstehen neue Wahrnehmungsebenen, die den Blick auf das Ökosystem und die Rolle des Menschen darin hinterfragen. Bertelmann, der als Bildhauer und Fotograf arbeitet, verbindet in seinen Arbeiten präzise Handwerkskunst mit konzeptueller Tiefe und schafft es, das Unsichtbare sichtbar zu machen.

Hegenbarth-Stipendium 2025: Martin Bertelmann & Angelina Seibert
Ausstellung bis 23. August 2026
Städtische Galerie Dresden – Projekt­raum
Wilsdruffer Str. 2, 01067 Dresden
www.galerie-dresden.de

Redaktion: Jörg Fehlisch

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