Zwischen Liebe und Millionen

„Die lustige Witwe“ Operette von Franz Lehár – Christina Maria Fercher (Hanna Glawari) / Foto: © Lutz Michen
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Franz Lehárs Klassiker „Die lustige Witwe“ als zeitgemäßer Ope­rettenabend in Dresden

Mit pointiertem Humor und musikalischer Raffinesse zeigt die Dresdner Inszenierung unter der Regie von Katja Wolff, wie Lehárs Operettenklassiker auch heute noch gesellschaftliche Fragen aufgreift.

Mit der Figur der Hanna Glawari betritt eine Frau die Ope­rettenbühne, die ihrer Zeit weit voraus ist. Lehár und seine Librettisten Victor Léon und Leo Stein schufen mit ihr eine Pro­tagonistin, die nicht nur finanziell unabhängig, sondern auch selbstbewusst und emanzipiert agiert. Die Männer um sie – allen voran der charmant-verschrobene Danilo und der besorgte Gesandte Zeta – sind gefangen in alten Rollenbildern, während Hanna ihre Verehrer mit Witz und Intelligenz auf Abstand hält.

Die Inszenierung an der Staatsoperette Dresden hebt diese gesellschaftlichen Kontraste besonders hervor: Die Un­sicher­heit der Männer angesichts weiblicher Selbst­ständigkeit wird humorvoll, aber auch mit feiner Ironie inszeniert. So wird die Operette zum Spiegel einer Gesellschaft im Umbruch, in der traditionelle Werte auf die Probe gestellt werden und neue Mög­lichkeiten entstehen. Die Aktualität dieser Themen springt dem Publikum geradezu entgegen – denn die Frage, wie viel Selbstbestimmung einer Frau zugestanden wird, ist auch heute noch aktuell.

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Walzer, Mazurka und Grisetten – Lehárs Klangwelten

Die Musik von Franz Lehár ist das Herzstück der Operette und verleiht „Die lustige Witwe“ ihren unverwechselbaren Cha­rak­ter. Mit schwungvollen Walzern, temperamentvollen Ma­zurken und den berühmten Grisetten-Chören schafft Lehár eine Klangwelt, die zwischen Eleganz und Lebenslust oszilliert. In der Dresdner Inszenierung werden diese musikalischen Fa­cetten mit großer Sorgfalt herausgearbeitet: Das Orchester der Staatsoperette lässt die Melodien in voller Pracht erstrahlen, während die Sängerinnen und Sänger mit stimmlicher Brillanz und Spielfreude überzeugen. Besonders die Szene mit den Pariser Grisetten, die Danilo so sehr liebt, wird zum musikalischen Höhepunkt des Abends – ein Fest für Ohr und Auge.

„Die lustige Witwe“ – Operette von Franz Lehár; Bryan Rothfuss (Danilo) / Foto: © Lutz Michen
Spiegel unserer Zeit

Auch mehr als ein Jahrhundert nach ihrer Uraufführung bleibt „Die lustige Witwe“ erstaunlich aktuell. Die Dresdner Insze­nierung zeigt, wie die Operette gesellschaftliche Fragen aufgreift, die uns bis heute beschäftigen: Wer bestimmt über das eigene Glück? Wie viel Wert hat Liebe im Schatten von Geld und gesellschaftlichen Erwartungen? Die Figuren bewegen sich in einem Geflecht aus Sehnsucht, Stolz und Pragmatismus – und gerade die Dialoge zwischen Hanna und Danilo sind voller feinsinniger Anspielungen auf moderne Beziehungsdynamiken. Die Inszenierung nutzt diese Motive, um das Publikum zum Nachdenken und Schmunzeln zu bringen. Die Aktualität zeigt sich nicht nur in den Themen, sondern auch in der Art, wie sie auf die Bühne gebracht werden: Mit Tempo, Witz und einem Augenzwinkern werden alte Klischees entlarvt und neue Perspektiven eröffnet. So wird „Die lustige Witwe“ zum Spiegel unserer Zeit – und zum Beweis, dass Operette weit mehr sein kann als nostalgische Unterhaltung.

Staatsoperette Dresden
Kraftwerk Mitte 1, 01067 Dresden
Informationen, Spielplan und Tickets: www.staatsoperette.de

Redaktion: Jörg Fehlisch

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