Sehnsucht und Sinnsuche

links: Paula Modersohn-Becker, Selbstbildnis mit Hand am Kinn, 1906/07, © Landesmuseum Hannover/ARTOTHEK / rechts: Edvard Munch, Selbstbildnis vor blauem Himmel, 1908, © Munchmuseet, Oslo
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Zwei Künstler, zwei Lebenswege, ein gemein­sa­mes Thema: Im Albertinum treffen Werke von Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch auf­ein­an­der. Die Ausstellung spürt den existenziellen Fra­gen nach, die damals wie heute bewegen – und lädt Be­­­sucher ein, selbst Teil des Dialogs zu werden.

Das Albertinum wird zum Schauplatz einer be­sonderen Be­gegnung: Werke von Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch treten in einen Dialog, der ihre künstlerischen Po­sitionen und existenziellen Fragen eindrucksvoll miteinander verknüpft. Die Sonderausstellung lädt dazu ein, zwei Aus­nah­mepersönlichkeiten der Moderne neu zu entdecken – anlässlich des 150. Geburtstags von Modersohn-Becker, der in Dresden einen besonderen Nachhall findet.

Ausstellungsansicht „Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch. Die großen Fragen des Lebens“,
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Oliver Killig

Beide Künstler schufen ihr Werk in einer Epoche des Um­bruchs. Um 1900 veränderten technische Innovationen, gesellschaftliche Bewegungen und neue Lebensentwürfe das Selbst­verständnis des Einzelnen. Paula Modersohn-Becker, geboren 1876 in Dresden, entwickelte in Worpswede und Paris eine Bild­­sprache, die durch Reduktion und Naturnähe besticht. Ihre Porträts und Landschaften gelten heute als Meilensteine des Expressionismus. Edvard Munch, dessen Name untrennbar mit Werken wie „Das kranke Kind“ oder „Vampir“ verbunden ist, verwandelte persönliche Verluste und existenzielle Er­fah­rungen in Bilder von anhaltender emotionaler Kraft. Trotz an­fänglicher Kontroversen wurde Munchs Kunst zum Inbe­griff einer neuen, subjektiven Sicht auf die Welt.

Edvard Munch, Das kranke Kind, 1925 / © Munchmuseet, Foto: Juri Kobayashi
Die großen Fragen des Lebens

Im Zentrum der Ausstellung stehen die existenziellen The­men, die Modersohn-Becker und Munch gleichermaßen bewegten: Geburt und Tod, Krankheit, Mutterschaft, Ge­schlech­terrollen und die unbändige Kraft der Natur. Beide Künstler richteten ihren Blick auf das Wesentliche – auf den Menschen, seine Würde und seine Verletzlichkeit. Während Modersohn-Becker mit einer radikal vereinfachten Formen­sprache das Ursprüngliche und Natürliche suchte, bannte Munch seine inneren Konflikte und Ängste in intensive Farben und expressive Linien. Ihre Werke erzählen von den großen Fragen des Lebens, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben.

Paula Modersohn-Becker, Mädchenkopf, ca. 1905, © Städel Museum, Frankfurt am Main
Werke, Leihgaben & Highlights

Rund 150 Gemälde, Zeichnungen, Grafiken und Skulpturen entfalten im Albertinum ein Panorama künstlerischer Aus­druckskraft. Schlüsselwerke aus den Beständen der Staat­li­chen Kunstsammlungen Dresden treffen auf hochkarätige Leihgaben, etwa aus dem Munchmuseet Oslo und internationalen Sammlungen. Viele dieser Arbeiten sind erstmals in Deutschland zu sehen. Die Ausstellung inszeniert nicht nur die Nähe der beiden Künstler, sondern widmet ihnen auch je­weils eigene Räume, in denen ihre individuellen Hand­schrif­ten spürbar werden. Ergänzt wird das Ensemble durch Werke von Zeitgenossen wie Vincent van Gogh, Auguste Rodin oder Ernst Ludwig Kirchner, die die künstlerischen Strömungen um 1900 eindrucksvoll beleuchten.

Ausstellungsansicht „Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch. Die großen Fragen des Lebens“,
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Oliver Killig
„Life Letters“ als Brücke

Einen besonderen Akzent setzt das Projekt „Life Letters“, das Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet. Be­su­che­rinnen und Besucher sind eingeladen, eigene Gedanken zu den großen Fragen des Lebens einzureichen. Diese Stimmen werden digital in der Ausstellung sowie auf der Plattform der Staatlichen Kunstsammlungen erlebbar und durch Video­state­ments bekannter Persönlichkeiten ergänzt. So entsteht ein lebendiger Dialog, der die existenziellen Themen der Kunst in die Gegenwart trägt und das Ausstellungserlebnis um eine persönliche, zeitgemäße Dimension erweitert.

„Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch. Die großen Fragen des Lebens“
Ausstellung im Albertinum, Laufzeit 08.02.-31.05.2026, täglich 11-17 Uhr, Mo. geschlossen

Redaktion: Jörg Fehlisch

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