Kunstgenuss auf Italienisch

Correggio, Madonna des heiligen Georg, um 1530, © Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Jürgen Lösel
Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden laden zu einer inspirierenden Reise durch die italienische Kunst.

Von Correggios leuchtenden Gemälden über neu entdeckte Renaissance-Zeichnungen bis zu farbintensiven Landschaften und Pinocchios Abenteuern: Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden laden zu einer inspirierenden Reise durch die Vielfalt italienischer Kunst ein – und machen Dresden zum Treff­punkt für Italiensehnsucht und Kunstgenuss.

Kaum eine andere Stadt nördlich der Alpen atmet so viel italienischen Geist wie Dresden. Die sächsische Residenzstadt verdankt ihren Glanz nicht zuletzt dem jahrhundertelangen Austausch mit Italien: Schon früh ließen sich die Kurfürsten von der Kunst und Architektur des Südens begeistern, holten Maler, Bildhauer und Baumeister an die Elbe und prägten so das Stadtbild nachhaltig. Die barocken Fassaden, die musikalischen Traditionen und nicht zuletzt die weltberühmten Kunst­sammlungen erzählen von einer Liaison, die bis heute lebendig ist. Der Beiname „Elbflorenz“, das Italienische Dörfchen am Theaterplatz und die Städtepartnerschaft mit Florenz sind sichtbare Zeichen dieser kulturellen Symbiose. In diesem Herbst feiern die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden diese besondere Beziehung in verschiedenen Institutionen mit einem Aus­stellungsreigen, der die italienische Kunst in all ihren Facetten würdigt.

Gemäldegalerie Alte Meister: Correggio – Berührend menschlich

Im Herzen des Dresdner Zwingers entfaltet sich in diesem Herbst ein außergewöhnliches Panorama der italienischen Hoch­renaissance: Die Gemäldegalerie Alte Meister widmet Antonio Allegri, besser bekannt als Correggio, eine umfassende Sonderausstellung – die erste ihrer Art außerhalb Italiens. Correggio, dessen Werke durch eine meisterhafte Lichtregie und eine berührende Sinnlichkeit bestechen, zählt zu den großen Innovatoren seiner Epoche. Seine Gemälde, darunter die berühmte „Heilige Nacht“, die lange als das bedeutendste Bild Europas galt, sind Paradebeispiele für die Verschmelzung von Spiritualität und menschlicher Nähe.

Correggio, Madonna des heiligen Sebastian, um 1524,
© Gemäldegalerie Alte Meister, Staat­liche Kunstsammlungen Dresden,
Foto: Laura Princzess, Steffi Bodechtel, Jacob Franke

Die Dresdner Sammlung besitzt einen weltweit einzigartigen Bestand an Correggios Werken, der durch die jüngst restaurierte „Madonna des heiligen Sebastian“ nun in neuem Glanz erstrahlt. Über 100 Exponate, darunter hochkarätige Leih­ga­ben aus dem Prado, dem Louvre, den Uffizien und der Natio­nal Gallery in London, lassen die künstlerische Entwicklung Cor­reggios lebendig werden. Seine Fähigkeit, Licht und Schat­ten zu orchestrieren, verleiht den Figuren eine fast greifbare Prä­senz – ein Stil, der nicht nur Zeitgenossen wie Parmi­gia­nino und Rubens, sondern auch Generationen von Künstlern nach ihm inspirierte. Die Ausstellung lädt dazu ein, Correggio als einen der großen Erzähler der italienischen Renaissance neu zu entdecken und seine Werke im Kontext der europäischen Kunstgeschichte zu würdigen.
„Correggio. Berührend menschlich“
Ausstellung bis 10. Januar 2027
Zwinger, Gemäldegalerie Alte Meister, Semperbau

Kupferstich-Kabinett: Unbekanntes aus Italien – Zeichnungen des 16. Jahrhunderts

Ein stilles, aber umso faszinierenderes Kapitel italienischer Kunstgeschichte öffnet sich im Studiolo des Residenz­schlos­ses. Hier rückt das Kupferstich-Kabinett mit der Ausstellung „Unbekanntes aus Italien“ jene Schätze ins Licht, die bislang im Verborgenen schlummerten: italienische Zeichnungen des 16. Jahrhunderts, die im Rahmen eines internationalen For­schungsprojekts erstmals systematisch erschlossen wurden. Über 700 Blätter wurden von einem Team aus 80 Wissen­schaftlerinnen und Wissenschaftlern neu bewertet, katalogisiert und in ihrer kunsthistorischen Bedeutung eingeordnet. Die Ausstellung präsentiert eine Auswahl von 25 dieser Entdeckungen – jedes Blatt ein Fenster in die Werkstatt der Renaissance.

Giovanni Francesco Bezzi, gen. Nosadella, Engel der Verkündigung, 1560er Jahre, © Kupferstich-Kabinett,
Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Andreas Diesend

Zu den Höhepunkten zählt die doppelseitige Zeichnung „Der Heilige Andreas mit dem Kreuz“ von Parmigianino, die bislang nie öffentlich gezeigt wurde. Ebenso spektakulär ist die Rekonstruktion einer fragmentierten Zeichnung, die als Vorarbeit für ein Altarbild von Dirck Hendricksz, genannt Teodoro d’Errico, identifiziert werden konnte. Auch weniger bekannte Künstler wie Giovanni Francesco Bezzi, genannt Nosadella, treten mit temperamentvollen Federstrichen ins Rampenlicht. Die Ausstellung macht deutlich, wie lebendig und vielschichtig die Zeichnungsforschung heute ist: Neue Zu­schreibungen, entschlüsselte Bildthemen und überraschende Zusammenhänge eröffnen einen frischen Blick auf die italie-nische Kunst des 16. Jahrhunderts. Ein digitaler Bestands­ka­talog und die Online-Collection der SKD machen diese Schätze zudem dauerhaft zugänglich – ein Gewinn für For­schung und Publikum gleichermaßen.
„Unbekanntes aus Italien.
Zeichnungen des 16. Jahrhunderts neu erforscht“
Ausstellung bis 03. Januar 2027,
Residenzschloss, Studiolo, Renaissanceflügel

Sophie Prell, Orangenzweig, © Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Estel / Klut
Albertinum: Italien in Farbe – Landschaftsbilder des späten 19. Jahrhunderts

Im Albertinum entfaltet sich Italien als Sehnsuchts- und Inspirationsort in leuchtenden Farben. Die Ausstellung „Italien in Farbe“ widmet sich den Landschaftsbildern des späten 19. Jahrhunderts und zeigt, wie Künstler aus dem Norden das Land südlich der Alpen mit neuen Augen sahen. Nicht mehr nur heroische oder idyllische Szenerien bestimmten das Bild, sondern auch unspektakuläre, alltägliche Ansichten rückten in den Fokus – stets mit dem Anspruch, das „wirkliche“ Italien einzufangen.

Die Gemälde von Rudolf Schuster, Albert Rieger, Adolph Menzel und Franz Richard Unterberger spiegeln die Vielfalt der künstlerischen Zugänge: Von der reduzierten Weite der römischen Campagna über stimmungsvolle venezianische Abende bis hin zum rauen Realismus einer Piazza in Verona. Zwischen Spätromantik und Realismus eröffnet sich ein Panorama, das Italien als facettenreichen Lebensraum zeigt – voller Licht, Atmosphäre und malerischer Nuancen. In einer Zeit, in der die Fotografie aufkam, bewahrte die Malerei ihre besondere Kraft: Sie ließ das Publikum Italien in all seiner farbigen Fülle erleben und schuf Bilder, die bis heute als In­be­griff südlicher Lebenslust gelten.
Focus Albertinum
„Italien in Farbe. Landschaftsbilder des späten 19. Jahrhunderts“
Ausstellung bis bis 06. Juni 2027 im Albertinu

Franz Richard Unterberger, Amalfi. Golfo di Salerno, © Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Estel / Klut
Puppentheatersammlung: Pinocchios Abenteuer auf der Bühne

Ein ganz eigener Zauber italienischer Kultur entfaltet sich in der Puppentheatersammlung im Kraftwerk Mitte. Hier steht mit „Pinocchios Abenteuer auf der Puppenbühne“ eine der be­kanntesten Figuren der italienischen Literatur im Mittel­punkt. Die Geschichte des hölzernen Jungen, der eigentlich am Gal­gen enden sollte, aber dank der Empörung seiner jungen Leser ein glücklicheres Schicksal fand, ist längst zum Welterfolg geworden. Anlässlich des 200. Geburtstags von Carlo Collodi, dem Schöpfer Pinocchios, präsentiert die Aus­stellung eine bunte Vielfalt an Puppen, Bühnenbildern und Materialien rund um den naiven, gutmütigen und manchmal allzu leichtsinnigen Helden.

Die Inszenierungen zeigen, wie Pinocchio über Genera­tio­nen hinweg Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeis­tert hat – als Symbol für Neugier, Abenteuerlust und die Kraft der Fantasie. So schlägt die Puppentheatersammlung eine Brücke von der italienischen Literatur zur lebendigen Theater­tra­di­tion in Dresden und lädt dazu ein, Pinocchio und seine Abenteuer auf ganz neue Weise zu entdecken.
Näher hingesehen: Pinocchios Abenteuer auf der Puppenbühne
Ausstellung bis 03. Januar 2027
Puppentheatersammlung, Kraftwerk Mitte

Redaktion: Jörg Fehlisch

Sie interessieren Sich möglichweise auch für: