Zahnarztpraxis Dr. med. dent. Conrad Kühnöl: Zahnmedizin neu gedacht

Zahnmedizin 4.0: Mehr Qualität, weniger Aufwand
Smarte Mikroskope, Scanner, 3D-Fertigung und miteinander vernetzte Daten: Was in der Zahnarztpraxis von Dr. med. dent. Conrad Kühnöl in der Dresdner Südvorstadt schon länger Alltag ist, soll nun noch konsequenter werden. Der Zahnarzt und Zahntechniker mit Masterabschluss in Ingenieurwesen erweitert seine Praxis räumlich und verfolgt damit eine größere Idee: Zahnmedizin soll durch intelligente Automatisierung präziser, weniger belastend und zugleich bezahlbarer werden.
Top: Sie sprechen schon länger über cloudbasierte Zahnmedizin. Warum bekommt das Thema gerade jetzt noch einmal eine neue Dringlichkeit?
Dr. Kühnöl: Wir müssen uns stärker damit beschäftigen, wie wir gute Medizin auch in Zukunft finanzierbar halten. Die Kosten für Personal, Räume, Energie und Verwaltung steigen, gleichzeitig wird darüber diskutiert, welche Leistungen die Krankenkassen künftig noch übernehmen können. Digitalisierung allein löst das nicht. Man kann teuer digitalisieren oder strukturiert. Für mich bedeutet strukturiert: Technik so zu vernetzen, dass Arbeitsschritte tatsächlich wegfallen, Prozesse im Praxisalltag schneller werden und die Qualität für die Patienten trotzdem steigt.
Top: Ihre Vision bringen Sie ziemlich zugespitzt auf den Punkt: 100 Prozent Zahnmedizin, 200 Prozent Qualität, 50 Prozent Preisniveau und 10 Prozent Leidensdruck. Was steckt dahinter?
Dr. Kühnöl: Das ist natürlich bewusst provokant formuliert. 80 Prozent dessen, was wir täglich behandeln, sind Routinefälle. Ein moderner Zahnarzt sollte diese souverän beherrschen können. Das beinhaltet etwa Füllungen und Wurzelkanalbehandlungen bis zu Implantaten und Zahnersatz. Digitale Assistenzsysteme helfen dabei ähnlich wie die Assistenzsysteme im Auto. Sie überwachen, geben Hinweise und reduzieren Fehlerquellen. Dadurch können wir Arbeitsschritte zusammenfassen, Zeit sparen und trotzdem präziser arbeiten. Mein Ziel ist nicht Technik um der Technik willen, sondern bessere Zahnmedizin mit weniger Aufwand.

Top: Wie profitieren Ihre Patienten?
Dr. Kühnöl: Ein gutes Beispiel ist die Implantologie. Wir operieren heute viele Fälle zuerst am digitalen Zwilling des Patienten. Implantat, Knochen, Nerven und spätere Versorgung lassen sich virtuell zusammenführen und unterschiedliche Varianten simulieren. Die für den Patienten beste Lösung wird anschließend auf die reale Behandlung übertragen. In vielen Fällen können wir dadurch sehr minimalinvasiv arbeiten und zusätzliche Eingriffe vermeiden. Das bedeutet häufig kürzere Behandlungszeiten und weniger Belastung für den Patienten. Auch beim Zahnersatz spart die Vernetzung Zeit: Scans und vorhandene Daten können direkt in die Fertigung gehen. Statt viele Einzelschritte nacheinander zu organisieren, greifen Diagnose, Planung und Herstellung ineinander.
Top: Beim Thema Implantate beschäftigen Sie sich außerdem intensiv damit, Knochenaufbauten möglichst zu vermeiden.
Dr. Kühnöl: Ja. Wenn die Voraussetzungen stimmen, kann ein Implantat direkt nach der Zahnentfernung eingesetzt werden. Mit der passenden Operationstechnik und dem richtigen Implantatsystem kann der vorhandene Knochen erhalten und seine Regeneration unterstützt werden. Wir haben dazu inzwischen mehrere hundert Fälle dokumentiert. Das ist ein gutes Beispiel dafür, was ich mit weniger Leidensdruck meine: Wenn sich zusätzliche Operationen vermeiden lassen, ist das für Patienten ein großer Gewinn.
Top: Sie schauen bei technologischen Entwicklungen gern über Deutschland hinaus. Warum?
Dr. Kühnöl: Reisen verändert den Blick. Ich war zuletzt in Nepal und war überrascht, wie selbstverständlich dort teilweise moderne Technik eingesetzt wird, sowohl medizinisch, als auch bei Mobilfunk und Infrastruktur. In Deutschland sind wir technologisch stark, denken Lösungen aber oft sehr kompliziert. Wir sehen zehn Probleme gleichzeitig und bauen dann ein System, das alles abdecken soll. Andere Länder fragen pragmatischer: Was brauchen wir wirklich, damit es funktioniert? Davon können wir lernen. Manchmal muss man, um ein altes Bild zu bemühen, überholen, ohne einzuholen, in der Hoffnung, dass es diesmal funktioniert.

Top: Und wie passt die aktuelle Praxiserweiterung in diese Vision?
Dr. Kühnöl: Wir hatten die Möglichkeit, weitere Räume auf derselben Etage zu erwerben und über das bestehende Treppenhaus direkt mit der Praxis zu verbinden. Das war ein guter Moment, um weiter zu investieren. Die zusätzlichen Flächen sollen vor allem dabei helfen, unsere Prozesse noch stärker zu automatisieren und Fertigungsschritte besser anzubinden. Daten aus der Behandlung können dann beispielsweise direkt an die Frästechnik weitergegeben werden.
Top: Wie groß ist die Praxis inzwischen?
Dr. Kühnöl: Wir betreuen rund 18.000 Patienten, arbeiten mit etwa 30 Mitarbeitern und vier Zahnärzten. Automatisierung soll uns von unnötiger Administration und wiederkehrenden Arbeitsschritten entlasten, damit mehr Zeit für das bleibt, worum es eigentlich geht: den Patienten.

Zahnarztpraxis Dr. med. dent. Conrad Kühnöl
Bayreuther Straße 30
01187 Dresden
Telefon: 0351 471 09 70
www.kuehnoel.de
Redaktion: Katrin Schindler

