DANDY

Fotos: © Ewa Wiese
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Dandy ist der schillernde Inbegriff für einen eleganten Mann mit großzügiger Art de Vivre. Albrecht von Weech zählt heute zu dem aussterbenden Typus.

Am 13. Juni 1958 wurde Albrecht von Weech in München, wie er meint, zur gepflegten Teatime-Zeit, um 16:30 Uhr, so, wie es sich für einen zukünftigen Dandy gehört, geboren. Im Nobelgutshof Beck am Hof, im romantischen Tegernseer Tal, wo seine Mutter Netty von Weech mit ihrer weitaus berühmteren Zwillingsschwester Hannelore lebte, verbrachte Klein-Albrecht seine jungen Jahre. Großvater Hanni von Weech überlebte den 2. Weltkrieg nicht. Er wurde gegen Ende des Krieges in Russland erschossen. Die Zwillinge hatten es in Deutschland gesetzlich durchgesetzt, dass alle ihre Nachkommen ihren Familiennamen tragen durften.

Klein-Albrecht war ein gewitztes Kind, ein wahres Multi­talent. Er fühlte sich zu seiner mondänen Tante Hannelore mehr hingezogen als zu seiner hausbackenen Mutter. Hannelore von Weech gab ihre Faschingsbälle in München, umgab sich mit der internationalen High Society, lud zu großen Feten auf ihren Gutshof ein. Die Mutter der Zwillinge, Margarete Schüssel, die tonangebend bei dem deutschen Magazin Madame für die Pariser Haute Couture war, organisierte die elegantesten Schauen zwischen Deutschland und Frankreich. Sie war mit dem Konsul Schüssel in zweiter Ehe verheiratet und lebte in einer bayerischen Prachtvilla in Rottach-Egern am Tegernsee. Die zahlreiche Familie war stolz auf ihren Albrecht. Alles, was der Junge anfasste, glückte. Er war pfiffig, charmant und sah seit Kindesbeinen blendend aus. Kein Wunder, dass die namhaftesten Modefirmen sich um ihn als Model rissen. Im berühmten Hotel Bayerischer Hof, bei Juwelier Heiden, ging er in die Goldschmiedelehre.

Albrecht von Weech / Foto: © Ewa Wiese

Auf einem der vielen mondänen Abende, die er liebte zu besuchen, lernte der elegante Dandy seine zukünftige Frau, die italienische Prinzessin Dona Olimpia Carrega Bertolini dei Principi di Lucedio, kennen und lieben. Die Ehe mit vielen Hochs und Tiefs hielt 27 Jahre. In Florenz, in der Kirche Ognissanti, wurde das Glamourpaar getraut.

Heute gilt Albrecht als einer der letzten Dandys Europas. Um 1810 beherrschten diese eleganten Männer zuerst in London und in Paris das Gesellschaftsparkett. Ein Dandy zeichnet sich durch bestechende Eleganz, als perfekter Gastgeber und durch ein brillantes Savoir de Vivre aus. Er ist beliebt und umgibt sich mit den schönsten Frauen der internationalen Gesellschaft. Stets ist er kulturell auf dem neuesten Stand. Seine Reisen haben Stil.

Zu den berühmtesten Dandys zählten u. a. George Brummell, Sacha Guitry, Lord Byron, Oscar Wilde, Charles de Beistegui, Jean Cocteau, David Bowie. Sie waren vor allem in London und Paris, in Capri und Monte Carlo zu finden. In Deutschland zeichnete sich Arndt von Bohlen und Halbach, der Krupp­stahl­erbe, als Dandy aus. Alle Welt sprach von seinen fabelhaften Bällen in Marokko, seinen Einladungen auf sein Schloss in Öster­reich, zu seinen Dinnerpartys im Münchner Palais. Die Traumkreuzfahrten auf seiner schönen Yacht galten als einmalig. Seine Carneval-Einladungen nach Rio waren begehrt.

Albrecht von Weech gründete den Dandy Club in Deutsch­land und gibt heute noch vier große „Plutonische Salons“ jedes Jahr. Der erste Salon, im Januar, findet jedes Jahr im romantischen Venedig statt. Die drei weiteren, im Frühjahr, Sommer und Herbst, in seinem 430 qm großen Münchner Stadthaus auf der Bel Etage. Dresscode jeweils Frack, Smoking und langes Abendkleid. Er bittet jeden Gast, sein verstecktes Talent zu zeigen. Da gibt es Gäste, die heute noch Schrift­stellerbriefe an Goethe nach Weimar schicken, die sie dann in einem seiner Salons vorlesen.

König Ludwig II.-Portrait von Percy Hoven / Luchino Visconti-Portrait von Percy Hoven / © Percy Hoven

Noch dieses Frühjahr will Albrecht von Weech zwei große Porträts von König Ludwig II. und dem italienischen Regisseur Luchino Visconti, der das Schicksal des bayerischen Königs mit Helmut Berger und Romy Schneider verfilmte, vorstellen. Gemalt hatte 1990 die beiden Großformatporträts Percy Hoven, der Sohn des berühmten deutschen Filmstars Adrian Hoven. Im gleichen Jahr hatte Lord Michael Anders-Cavendish den jungen Maler mit seiner damaligen Freundin, der bildschönen Alexandra Freund, Petra Schürmanns Tochter, nach Paris eingeladen, um diese beiden Kunstwerke anlässlich des ersten Art Salons unter der Schirmherrschaft von Madame Bernadette Chirac im Palasthotel Plaza Athénée auf der Avenue Montaigne dem Pariser Publikum vorzustellen.

Das künstlerische Schaffen durchzog Percys ganzes Leben. 36 Jahre ließ der Maler Hoven die beiden Gemälde in Paris. Letzten Januar kam er nun nach Frankreich, um sie abzuholen. 1992 trennten sich Percy und Alexandra in aller Freundschaft. Einige Zeit später heiratete der mittlerweile junge TV-Moderator die aparte TV-Moderatorin Silvia Laubenbacher. 2001 schlug die grausame Nachricht vom Tod der jungen Alexandra Freund wie ein Donnerschlag ein. Ein Geisterfahrer fuhr frontal in ihren Wagen auf der Autobahn Salzburg–München. Deutschland war in Trauer um die schöne Schürmann-Tochter. Percy Hoven erstickte den unendlichen Schmerz im Malkasten.

Albrecht von Weech und Percy Hoven verbindet seit Kindertagen eine enge Freundschaft. / © Percy Hoven

Mit Albrecht von Weech verbindet den Maler eine Kind­heitsfreundschaft. Tante Hannelore nahm damals den jungen Filmmilieuknaben in der Weech-Familie auf. Klar lag es auf der Hand: Wann immer Adrian Hoven konnte, nahm er seinen Sohn und seine holländische Ehefrau Joyce zu Dreharbeiten mit. So kam es, dass Klein-Percy in Madrid auf dem Schoß von Anita Ekberg saß, wo sicher alle Männer gerne Platz genommen hätten. Und wieder ereilte 2022 Percy Hoven und seine mittlerweile zwei großen Kinder das tragische Schicksal. Seine Frau Silvia starb an Brustkrebs in München.

Im kommenden Salon bekommen nun Albrecht von Weechs Gäste Percys Porträt-Gemälde zu sehen. Er porträtierte aber auch Albrecht als Kind und als jungen Mann sowie Deutsch­lands größten Gemäldesammler moderner Kunst, Dr. Al­fred Gunzenhauser, der seine wertvolle Sammlung dem Museum in Chemnitz vermachte. Sehr oft malt Percy seine Porträts in der Grisaille-Technik (grau-weiß). Wer sich porträtieren lassen will, muss 6.000 Euro hinblättern. Die Porträts von König Ludwig II. und Luchino Visconti dagegen sind in Farbe.

Albrecht von Weech-Portrait von Percy Hoven / © Percy Hoven

Zur Charity „Tränchen Trocknen“, welche die deutsche Leih­wagenkönigin Regine Sixt mit Lord Michael Anders-Cavendish auf einem Seinedampfer in Paris gab, kam der perfekt französisch sprechende Deutsche und nahm neben dem damals noch lebenden französischen Filmstar Mireille Darc und der Schla­gersängerin Victor Lazlo Platz. Lord Cavendishs Freundinnen, I.K.H. Prinzessin Léa von Belgien und Multi-Spirituosenlady Nicole Ricard, halfen, Geld zu sammeln für die bedürftigen Kinder.

Percy Hoven und Albrecht von Weech / Foto: © Ewa Wiese

Wann immer Percy Hoven Zeit findet, um nach Frank­reich zu kommen, besucht er seine Tante Darwin Cauvin, die Schwester seiner Mutter, in Rouen. Tante Darwin ist mit dem Besitzer der ältesten Auberge Frankreichs verheiratet. In seiner Couronne speisten die Berühmtesten dieser Welt. Von Grace Kelly über Jean-Paul Sartre, von Sophia Loren über John Wayne, von Maurice Chevalier über Sal­vador Dalí – sie alle schlemmten in der Couronne in Rouen. Und da lernte Percy beim Schlaraffen­landschmaus sein Französisch, dagegen ist Albrecht von Weech, dank seiner Ehe, perfekt in Italienisch. Kontakt für ein Porträt: percy.hoven@t-online.de

Redaktion: Michel Anders-Cavendish

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