Sehnsucht und Sinnsuche

Zwei Künstler, zwei Lebenswege, ein gemeinsames Thema: Im Albertinum treffen Werke von Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch aufeinander. Die Ausstellung spürt den existenziellen Fragen nach, die damals wie heute bewegen – und lädt Besucher ein, selbst Teil des Dialogs zu werden.
Das Albertinum wird zum Schauplatz einer besonderen Begegnung: Werke von Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch treten in einen Dialog, der ihre künstlerischen Positionen und existenziellen Fragen eindrucksvoll miteinander verknüpft. Die Sonderausstellung lädt dazu ein, zwei Ausnahmepersönlichkeiten der Moderne neu zu entdecken – anlässlich des 150. Geburtstags von Modersohn-Becker, der in Dresden einen besonderen Nachhall findet.

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Oliver Killig
Beide Künstler schufen ihr Werk in einer Epoche des Umbruchs. Um 1900 veränderten technische Innovationen, gesellschaftliche Bewegungen und neue Lebensentwürfe das Selbstverständnis des Einzelnen. Paula Modersohn-Becker, geboren 1876 in Dresden, entwickelte in Worpswede und Paris eine Bildsprache, die durch Reduktion und Naturnähe besticht. Ihre Porträts und Landschaften gelten heute als Meilensteine des Expressionismus. Edvard Munch, dessen Name untrennbar mit Werken wie „Das kranke Kind“ oder „Vampir“ verbunden ist, verwandelte persönliche Verluste und existenzielle Erfahrungen in Bilder von anhaltender emotionaler Kraft. Trotz anfänglicher Kontroversen wurde Munchs Kunst zum Inbegriff einer neuen, subjektiven Sicht auf die Welt.

Die großen Fragen des Lebens
Im Zentrum der Ausstellung stehen die existenziellen Themen, die Modersohn-Becker und Munch gleichermaßen bewegten: Geburt und Tod, Krankheit, Mutterschaft, Geschlechterrollen und die unbändige Kraft der Natur. Beide Künstler richteten ihren Blick auf das Wesentliche – auf den Menschen, seine Würde und seine Verletzlichkeit. Während Modersohn-Becker mit einer radikal vereinfachten Formensprache das Ursprüngliche und Natürliche suchte, bannte Munch seine inneren Konflikte und Ängste in intensive Farben und expressive Linien. Ihre Werke erzählen von den großen Fragen des Lebens, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben.

Werke, Leihgaben & Highlights
Rund 150 Gemälde, Zeichnungen, Grafiken und Skulpturen entfalten im Albertinum ein Panorama künstlerischer Ausdruckskraft. Schlüsselwerke aus den Beständen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden treffen auf hochkarätige Leihgaben, etwa aus dem Munchmuseet Oslo und internationalen Sammlungen. Viele dieser Arbeiten sind erstmals in Deutschland zu sehen. Die Ausstellung inszeniert nicht nur die Nähe der beiden Künstler, sondern widmet ihnen auch jeweils eigene Räume, in denen ihre individuellen Handschriften spürbar werden. Ergänzt wird das Ensemble durch Werke von Zeitgenossen wie Vincent van Gogh, Auguste Rodin oder Ernst Ludwig Kirchner, die die künstlerischen Strömungen um 1900 eindrucksvoll beleuchten.

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Oliver Killig
„Life Letters“ als Brücke
Einen besonderen Akzent setzt das Projekt „Life Letters“, das Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet. Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, eigene Gedanken zu den großen Fragen des Lebens einzureichen. Diese Stimmen werden digital in der Ausstellung sowie auf der Plattform der Staatlichen Kunstsammlungen erlebbar und durch Videostatements bekannter Persönlichkeiten ergänzt. So entsteht ein lebendiger Dialog, der die existenziellen Themen der Kunst in die Gegenwart trägt und das Ausstellungserlebnis um eine persönliche, zeitgemäße Dimension erweitert.
„Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch. Die großen Fragen des Lebens“
Ausstellung im Albertinum, Laufzeit 08.02.-31.05.2026, täglich 11-17 Uhr, Mo. geschlossen
Redaktion: Jörg Fehlisch

