Glanz und Vergängnis

© Museen Dresden / PWL Günther
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Christian Manss erschafft in der Städtischen Ga­lerie Dresden mit „AURUM VANITAS“ faszinierende Bild­welten zwischen Konstruktion und Erinnerung.

Gold, das Symbol für Glanz und Ewigkeit, begegnet uns in den Werken von Christian Manss als trügerische Kost­bar­keit. In der Ausstellung „AURUM VANITAS“ in der Städtischen Galerie Dresden entfaltet sich eine Welt, in der Landschaft nicht als Abbild, sondern als Idee erscheint – und in der das Wertvolle stets auch das Vergängliche in sich trägt.

Wer sich auf die Gemälde von Christian Manss einlässt, be­tritt einen Raum, in dem Landschaft nicht nach Vorlage, sondern aus dem schöpferischen Impuls heraus entsteht. Manss, geboren 1978 in Eisenach, verzichtet bewusst auf fotografische oder reale Referenzen – seine Szenerien sind Erfindungen, Möglichkeitsräume, die sich im Zusammenspiel von Gold und Schwarz, Fläche und Farbe, Bewegung und Unterbrechung entfalten.

Blick in die Ausstellung AURUM VANITAS in der Städtischen Galerie Dresden / Foto: © Museen der Stadt Dresden / Philipp WL Günther

In einem mehr­stufigen Prozess lässt er Farben verlaufen, nur um sie im nächsten Moment gezielt wieder zu tilgen. Wasser wird dabei zum Werkzeug der Offenbarung: Es spült Farb­schichten zurück, öffnet neue Räume und lässt den Bildgrund durchscheinen. So geraten die Bildflächen in ein spannungsreiches Wechselspiel zwischen Aufbau und Auflösung, zwischen dem Sichtbaren und dem Verborgenen. Geometrische Formen, oft als farbige Fremdkörper, durchbrechen die Kom­position, markieren, irritieren und rhythmisieren die imaginierte Landschaft. Was bleibt, ist ein Bild, das sich jeder Ein­deutigkeit entzieht und den Betrachter auffordert, sich auf das Ungewisse einzulassen

Malerei als Möglichkeitsraum

In den Werken von Christian Manss verschmelzen Fläche und Geste zu einer spannungsgeladenen Einheit. Die Landschaften sind keine Abbilder, sondern Denkmodelle – sie oszillieren zwischen realer Anmutung und abstrakter Suggestion. Block­artige, geometrische Elemente treten als autonome Akteure auf, sie stören, strukturieren und verleihen den Bildräumen eine eigene Dynamik. So entsteht eine dialektische Spannung zwischen Aufbau und Erosion, zwischen dem Festhalten und dem Loslassen.

Blick in die Ausstellung AURUM VANITAS in der Städtischen Galerie Dresden / Foto: © Museen der Stadt Dresden / Philipp WL Günther

Die Malerei von Manss ist ein Angebot, Landschaft als Kons­truk­tion zu begreifen – als einen Raum, der sich im Moment des Betrachtens immer wieder neu erschafft und zugleich entzieht. Die Titel der Werke – etwa „Das letzte Tal, dann nur noch Gipfel“ oder „Tief im Glas verliert das Klopfen seinen Klang“ – sind keine Wegweiser zu konkreten Orten, sondern poetische Ankerpunkte. Sie laden dazu ein, eigene Erinnerungen und Assoziationen einzubringen. Christian Manss spricht von „Erinnerungsmaterial“, das jedem offensteht und doch nie fest verankert ist. So werden seine Gemälde zu Projektionsflächen für individuelle Erfahrungen, zu Räumen, die betrachtet, erinnert und auch wieder verworfen werden können.

AURUM VANITAS
Malerei von Christian Manss
Ausstellung bis 10.05.2026
Städtische Galerie Dresden
Wilsdruffer Straße 2, 01067 Dresden
Öffnungszeiten: Di.-So. und Feiertage 10-18 Uhr
www.galerie-dresden.de

Redaktion: Jörg Fehlisch

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